Die Einführung des elternkostenbeteiligungsfreien Mittagessens für Erst- bis Sechstklässler war eine der großen Herausforderungen für die Berliner Ganztagsschulen vor Corona und eines der zentralen Themen der SERVICEAGENTUR GANZTAG BERLIN. Seit dem Frühjahr 2019 begleitet die SAG den Prozess an den Grundschulen und grundständigen Gymnasien.

Mit diesem Modul zum Thema Mittagessen bietet die SAG Unterstützung und Orientierung bei der Qualitätsentwicklung an. Die Materialien werden laufend aktualisiert und angepasst.

Die SAG hat auf unterschiedlichen Wegen „hautnah“ erfahren, wie die Situation in den Schulen vor Ort ist und dieses Thema in der Schulentwicklung begleitet. Auf diese Art und Weise konnten viele interessante Konzepte aufbereitet werden. Die SAG präsentiert fünf gute Beispiele zur Umsetzung des Mittagessens vor Ort und dem Weg dorthin als Schulportraits und ermöglicht damit einen „Blick über den Tellerrand“.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Schulen für die Einblicke in ihre Arbeit.

Grundschule am Windmühlenberg
offene Ganztagsschule

Die Schule hat mit zwei Standorten und großer Raumknappheit die Herausforderung, alle Kinder mit dem Mittagessen zu versorgen. Durch die Einführung eines Mittagsbandes ist es ihr jedoch gelungen. Das Kollegium entschied, eine der frühen Hofpausen zu streichen und dafür ein 50-minütiges Mittagsband einzuführen – doppelt so lange wie die frühere Hofpause. Zusätzlich werden in dieser Zeit verschiedene Musik- und Sport-AGs angeboten.

Grundschule am Weinmeisterhorn
offene Ganztagsschule

Die Einführung des elternkostenbeteiligungsfreien Mittagessens hat die Schulgemeinschaft gestärkt. Das gesamte Kollegium aus pädagogischen Lehr- und Fachkräften war von Anfang an bei der Neugestaltung des Mittagsessens eingebunden, ebenso die Eltern und Schülerinnen und Schüler. Ein Mittagsband mit parallelen Angeboten ist entstanden, fast alle Kinder essen mit. Ein paritätisch besetzter Essenausschuss bestimmt einmal im Monat den Speiseplan.

Fichtelgebirge Grundschule
offene Ganztagsschule

Seit mehreren Jahren gibt es einen rhythmisierten Schultag und auch vor dem neuen Gesetz haben bereits mehr als 80 Prozent der Kinder an der Schule Mittag gegessen: eine gute Basis für das neue Konzept, welches die Ernährung auch als Teil des Unterrichts beschreibt. Der Lärmpegel in der engen Mensa macht allen zu schaffen, aber durch die Beteiligung der Schülerinnen und Schüler an der Raumgestaltung gibt es mehr Aufenthaltsqualität beim Mittagessen.

Otfried Preußler Schule
offene Ganztagsschule

Die Neuorganisation des Mittagessens hat zu einer gut durchdachten Rhythmisierung des Schultages für alle Kinder geführt. In 45 Minuten essen die Kinder jeweils 20 Minuten und haben den Rest der Zeit eine Erholungspause, die sie auf dem großen Freigelände verbringen können. Der Schultag dauert nun 20 Minuten länger. Die Essenaufsichten sind Aufgabe des gesamten Kollegiums.

Carl Kraemer Grundschule
gebundene Ganztagsschule

Die Einrichtung der Mensaräume und die Gestaltung einiger Klassenräume sind im Rahmen eines Projekts mit „Bauereignis“ entstanden, um gemeinsam mit allen Beteiligten die Bedürfnisse am Standort zu planen und umzusetzen. Die liebevoll möblierte Mensa lädt zum entspannten Essen und Verweilen ein. Ein Mittagsband mit versetzten Pausen entlastet das viel zu kleine Außengelände. Das Kollegium ist intensiv in die Stundenplanung mit einbezogen – das trägt zu hoher Akzeptanz der Organisation an der gebundenen Ganztagsschule bei.

Ergänzend zu den Schulportraits stellen uns die fünf portraitierten Schulen ihre Stundenpläne zur Verfügung, die wir für Sie aufbereitet haben.

Im Vortrag beantwortet Prof. Dr. Lotte Rose, Professorin für Pädagogik der Kinder- und Jugendarbeit, die Frage „Wie kann die pädagogische Gestaltung des Mittagessen gelingen“.  Im anschließenden Interview vertieft sie einige der Ideen.

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Interaktives Padlet
„Mittagessen in Coronazeiten: Wie machen es andere?“

Ein Padlet ist eine digitale Pinnwand und bietet in diesem Fall Anregungen für die Umsetzung des schulischen Mittagessens zu Coronazeiten. Die Impulssammlung speist sich aus dem Austausch der SAG mit den an den Schulen tätigen Kolleginnen und Kollegen und aus weiteren Recherchen. Wir aktualisieren diese Seite stetig und laden alle Schulen ein, uns und den anderen Besuchern des Padlets  Ideen, Anregungen und Erfahrungen zur Verfügung zu stellen.

Was ist ein Mittagsband?

Ein vielfältig gestaltetes Mittagsband in der Mitte des Schultages stellt im Idealfall einen flexiblen Zeitraum für die heterogenen individuellen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler zur Verfügung. Im Sinne einer kind- und jugendgerechten Ganztagsschule erfüllt es unterschiedliche Anforderungen. In einem Zeitfenster von idealerweise nicht weniger als 60 Minuten stehen den Schülerinnen und Schülern mit den Möglichkeiten für die Einnahme des Mittagessens, für ungebundene Pausenzeit aber auch für angeleitete Aktivitäten sowie Lernzeit und Förderangebote diverse Bildungselemente zur Verfügung. Nicht selten sind die Essenszeiten für einzelne Lerngruppen innerhalb des Zeitraums festgelegt, um die Nutzung der Mensa und die Verpflegungszeiten aller Schülerinnen und Schüler zu koordinieren und sicherzustellen. Während also einige Lerngruppen essen, stehen den anderen Schülerinnen und Schülern diverse Betätigungsoptionen zur Verfügung und es entsteht ein Zeitraum, in dem die Schülerinnen und Schüler sich bedarfsorientiert und selbstgesteuert bewegen können. Neben dem Mittagessen können beispielsweise die 5-6 Klassen der Grundschule am Weinmeisterhorn die Lernzeit für Mathematik, Deutsch und Englisch oder eine freiwillige Hausaufgabenbetreuung nutzen, sie können aber auch im Hof Pause machen. An der Carl-Kraemer-Grundschule wiederum essen die Kinder eine halbe Stunde, gehen auf den Hof und können in der Freizeitetage unterschiedliche Angebote nutzen – etwa in der Bibliothek lesen oder an einer angeleiteten Entspannung teilnehmen (s. Schulportraits oben). Sowohl Rückzugsmöglichkeiten – um entweder in Ruhe zu lernen oder sich zu erholen – als auch Bewegung bspw. mit einer bewegten Pause für alle als Abschluss des Mittagsbandes und Übergang in die anschließenden Elemente des Schultages sind Merkmale eines Mittagsbandes.

Was kann ein Mittagsband?

Eine Entzerrung der Pausen- und Verpflegungszeiten – wie ja gerade in Pandemiezeiten notwendig –  sowie die Möglichkeit, dass Schülerinnen und Schüler je nach individuellem Bedarf Pause, Lernzeit und Essen sowie angeleitete Betätigungen und ungebundene Zeiten kombinieren können sorgt mancherorts auch für eine Reduzierung von Konflikten. „Es ist jetzt viel entspannter. Es sind immer nur drei bis vier Klassen gleichzeitig auf dem Hof. Die Kleinen kommen auch mal dazu, den Sportplatz zu nutzen und Fußball zu spielen und werden nicht gleich von den Großen vertrieben“, erzählt die Schulleiterin der Carl-Kraemer-Grundschule im Schulportrait. Und die leitende Erzieherin ergänzt: „Dieses Anspannen und dann Austoben und Entspannen ist toll für die. Das merken auch die Fachlehrer am Nachmittag, die Kinder sind viel entspannter und nicht so aufgedreht.“ Auch Arbeitsgemeinschaften und Förderangebote können davon profitieren, nicht auf die Randzeiten des Schultages angewiesen zu sein.

In der Planung des Alternativszenarios geht es auch um die Entzerrung der Pausen- und Verpflegungszeiten, um die Kontakte zwischen Schülerinnen-/Schülergruppen zu vermeiden, was eine enorme planerische Herausforderung ist. Ein Mittagsband kann eine solche räumliche Entzerrung ermöglichen. Die Idee des Mittagsbandes kann ggf. auch auf die Bedingungen der Stufe rot übertragen werden, wenn die Zeiten für das Mittagessen, für eFöB inklusive individueller Lern- und Übungszeiten und Elemente einer bewegten Pause in der Planung zusammengedacht werden und die Lerngruppen durch diese Elemente routieren. Zugleich werden so in reduzierter Form Frischluft, Bewegung, ungebundene Zeit und Verpflegung als wichtige Komponenten eines kindgerechten Schultages integriert.

Sie wünschen sich eine Beratung zur (Weiter-)Entwicklung eines für Ihre Schule zugeschnittenen Mittagsbands? Hier finden Sie die Informationen zu unserer Schulentwicklungsberatung.