Ein weiterer Vorteil der – im Vergleich zu den meisten AGs – größeren Gruppen ist, dass sie sich leichter finanzieren lassen. Das Budget kann auf eine kleinere Anzahl an externen Kooperationspartner:innen verteilt werden. Zudem wird der Fachunterricht von Präventionsaufgaben entlastet: Die Präventionsangebote in den Bereichen Soziales Lernen, Bewegung, Ernährung und Sucht waren früher überwiegend im Fachunterricht angesiedelt. Nun bilden sie den Schwerpunkt der Module und haben einen festen Platz in den Stundenplänen.
Der Weg zu einem ganzheitlichen Konzept
Die Umstellung auf den teilgebundenen Ganztag kam an der Georg Weerth-Schule vor 14 Jahren im Zuge der Schulstrukturreform. „Wir haben auf dem Weg, den Ganztag in den Schulalltag einzubauen, verschiedene Erfahrungen gemacht. Am Anfang gab es Skepsis, dass da in der Schule etwas passiert, dass nur Spaß und Entspannung bringen soll”, erinnert sich Susann Winkler. Wie an vielen Schulen wurden die mit Ganztagsmitteln finanzierten Bildungselemente meist als frei wählbare AGs gestaltet und zu Beginn auch an der Friedrichshainer ISS an das Ende des Tages hinter den Fachunterricht gelegt.
Für den Anspruch, ein ganzheitliches Ganztagskonzept umzusetzen und die Schüler:innen in einer Vielzahl an Kompetenzen zu stärken, war das den engagierten Lehrkräften und Schulsozialarbeiter:innen zu wenig: „Wir wollen die Rhythmisierung ernst nehmen. Uns war es von Anfang an wichtig, dass die Schüler:innen an Sachen herangeführt werden, für die Schule normalerweise nicht zuständig ist. Dass wir das soziale Lernen unterstützen und bestimmte Interessen fördern können. Der Ganztag bietet da eine ganze Menge“, erklärt Schulleiterin Ulrike Stanicki.
Unter den Lehrkräften stieß die Umstellung zunächst auf Widerstand. Durch die Einbindung der Ganztagsstunden an den Vormittagen rutschte der Fachunterricht teilweise in den Nachmittag, was die Tagesabläufe der Fachkolleg:innen zum Teil veränderte. Zusätzlich vergrößerte sich der Kreis derjenigen, die mit den Schüler:innen arbeiteten. Um die Akzeptanz zu erhöhen und die externen Kooperationspartner:innen zu integrieren, wurden viele Austauschformate organisiert: „Das war immer viel Aufwand, es war lange nicht sehr gemeinschaftlich. Es schwebte immer noch die Frage im Raum: Was ist wichtiger? Fachunterricht oder sozialpädagogisch orientierte Angebote? Und auf der anderen Seite war es so, dass wir die Ganztags-AGs fast komplett über Externe bestritten haben. Die waren aber lange Zeit immer nur ein Anhängsel“, ergänzt Susann Winkler.
Um das zu ändern, brachten die Initiator:innen das Ganztagsschulkonzept in den Schulgremien immer wieder ins Gespräch und erklärten den Ansatz. Im Schuljahr 2020/21 wurde über die Module im Kollegium sogar abgestimmt – und eine knappe Mehrheit sprach sich für das Konzept aus. Zunächst wurden die Module mit allen vier Jahrgängen 7-10 ausprobiert – jeweils mit unterschiedlichem Schwerpunkt: In den siebten Klassen stand das soziale Lernen im Mittelpunkt, im achten Jahrgang ging es in den „Fairplayer”-Stunden um Zusammenarbeit und gemeinsame Problemlösung. Die neunten Klassen setzten sich in den Modulen mit ihrer Identität, Geschlechtern und Sexualität auseinander. In der zehnten und letzten Klasse an der ISS ging es um Prüfungs- und Berufsvorbereitung.