Grundschule am Weinmeisterhorn

„Es war von Anfang an ein gemeinsames Projekt“

DKJS/ Kathleen Fietz

An der Grundschule am Weinmeisterhorn ist es dem gesamten Team gelungen, aus der Pflicht eine Kür zu machen: Mit dem beitragsfreien Mittagessen hat die Schule ein neues Mittagsband eingeführt und dafür die Rhythmisierung ihres Schultages ein ganzes Stück vorangebracht.

Ein Schulporträt von Kathleen Fietz

Bereits als der erste Zeitungsartikel Anfang 2019 über die mögliche Einführung des sogenannten elternkostenbeteiligungsfreien Mittagessens in Berlin erschien, griff Schulleiterin Sabine Adelhoefer zum Telefon: „Wir müssen dringend reden! Da kommt etwas auf uns zu“, sagte sie damals zu ihrer Kollegin Daniela Hein, die gemeinsam mit einer Kollegin die ergänzende Förderung und Betreuung des freien Trägers Havel-Kids gGmbH koordiniert. Und obwohl das Gesetz noch nicht verabschiedet war, waren beide sicher, dass es kommen würde und machten sich sofort an die Planung. Dabei bezogen sie das gesamte Kollegium von Anfang an mit ein. „Wenn wir nicht so früh mit der Planung angefangen hätten, hätten wir die Umsetzung niemals rechtzeitig geschafft“, erklärt Sabine Adelhoefer.

„Unser erster Schritt damals war, über die Grundhaltung aller Pädagoginnen und Pädagogen hier an diesem Standort zu sprechen: Wir ahnen, dass das Mittagessen kommt. Wie gehen wir damit um? Und was wollen wir eigentlich?“

Daniela Hein
koordiniert die eFöB des freien Trägers Havel-Kids gGmbH

Das Mittagessen stärkt die Schulgemeinschaft

Der Teamgeist und die Partizipation aller sind an der Schule überall zu spüren. Nicht nur das gesamte Kollegium aus pädagogischen Lehr- und Fachkräften war von Anfang an bei der Neugestaltung des Mittagsessens eingebunden, auch die Eltern und Schülerinnen und Schüler waren beteiligt. Sie wurden nicht nur über aktuelle Entwicklungen informiert, sondern durften ihre Bedenken und Ideen in allen Gremien wie auf Studientagen, Gesamtelternversammlungen oder in der Schulversammlung einbringen. „Es waren von Anfang an alle mit im Boot, und nur deshalb läuft es jetzt auch so gut“, ist sich die Schulleiterin sicher.

„Unser erster Schritt damals war, über die Grundhaltung aller Pädagoginnen und Pädagogen hier an diesem Standort zu sprechen: Wir ahnen, dass das Mittagessen kommt. Wie gehen wir damit um? Und was wollen wir eigentlich?“, erzählt Daniela Hein aus der Planungsphase. Das  gesamte Team war sich damals sofort einig: Das Mittagessen sollte vor allem eine soziale Komponente erhalten und das Gemeinschaftsgefühl stärken. Deshalb essen heute alle Schülerinnen und Schüler im Klassenverband mit ihrer jeweiligen Bezugserzieherin bzw. ihrem Bezugserzieher.

DKJS/ Kathleen Fietz

Neues Mittagsband für die Klassen 5 und 6

Während Daniela Hein und Sabine Adelhoefer im Schulleitungsbüro von den Planungsanfängen erzählen, wird es unter ihnen laut. Es ist kurz nach halb zwölf und eine der fünften Klassen geht durch den Gang unter dem Verwaltungstrakt in die sogenannte „Cluboase“ – es sind immer die Fünftklässler, die an der Grundschule mittags zuerst essen. Für die beiden weiteren fünften Klassen gibt es im Schülerhaus nebenan Mittagessen. Für die Erklärung des ausgetüftelten Systems des neuen Mittagsbandes müssen Sabine Adelhoefer und Daniela Hein ein wenig ausholen und zeigen ihre neue Stundentafel – das Ergebnis eines langen, partizipativen Prozesses.

Für die Klassen 5 und 6 wurde ein 75-minütiges Mittagsband eingeführt. Um 11.35 Uhr essen zuerst alle Fünftklässler. Die Sechstklässler haben in dieser Zeit drei Möglichkeiten: die Lernzeit, eine freiwillige Hausaufgabenbetreuung oder sie können im Hof Pause machen. Nach einer halben Stunde wird getauscht. Am Ende haben alle fünften und sechsten Klassen noch eine kurze Pause auf dem Hof.

Die sogenannte Lernzeit ist aus dem Förder- und Forderunterricht entstanden, der vorher parallel zum Regelunterricht stattgefunden hatte. „Es gab vonseiten der Eltern schon lange den Wunsch, die Klassen 5 und 6 noch gezielter auf das Gymnasium vorzubereiten“, erklärt die Schulleiterin. Deshalb wurde die Einführung des beitragsfreien Mittagessens als Chance genutzt, um gleichzeitig diese täglichen Lernzeiten für Mathematik, Deutsch und Englisch einzurichten. Daran nehmen Kinder teil, die noch Lücken haben, genauso wie besonders gute Schülerinnen und Schüler, die weit über die Unterrichtsziele hinaus gefordert werden. Damit hat sich der Schultag für die Klassen 5 und 6 um 55 Minuten verlängert.

Große Nachfrage beim Mittagessen

Für die Klassen 1 bis 4 hat sich weniger geändert, für sie gibt es aber nun einen Unterschied zwischen Unterrichts- und Schulende. Sie essen nach Unterrichtsschluss, entweder direkt anschließend oder sie werden noch 25 Minuten betreut, bis sie mit dem Essen dran sind. „Anfangs waren viele Eltern sehr skeptisch, jetzt sind aber die meisten sehr zufrieden“, erzählt Sabine Adelhoefer. Die Zahlen geben ihr recht: Nur fünf Kinder der gesamten Schule essen mittags nicht mit.

Bei der Raumfrage für das Mittagessen kam der Schule ein glücklicher Zufall zu Hilfe. Eigentlich sollte eine ehemalige Hausmeisterwohnung zu Betreuungsräumen umgebaut werden. Da sich der Start dieses Umbaus so lange hinzog, konnte die Schule nach Einführung des Gesetzes eine Umwidmung in einen Essens- und Betreuungsraum beantragen. „Da war das Schulamt sehr kooperativ und der Raum war gerade so zur Einführung des Mittagessens fertig und ist total schön geworden“, erzählt Daniela Hein. So kann nun jeweils eine Klasse direkt im Schulgebäude in der neuen „Cluboase“ essen. Um das Gemeinschaftsgefühl dort besonders zu stärken, gibt es Schüsselessen.

„Das Gesetz kam zu schnell, es hätten erstmal die räumlichen Voraussetzungen geschaffen werden müssen. Aber wir haben das Beste draus gemacht. Und das Projekt macht auch immer noch Spaß, weil es ein gemeinsames von allen hier an der Schule ist“

Daniela Hein
koordiniert die eFöB des freien Trägers Havel-Kids gGmbH

Der gemeinsame Weg hört nie auf

Im Schülerhaus direkt neben der Schule, wo die Nachmittagsbetreuung stattfindet, finden etwa 50 Kinder Platz, also etwa zwei Klassen. Dort gibt es eine Essenausgabe, an der sich die Kinder anstellen. Heute gibt es Geflügelbratwurst, Kartoffelpüree und Rotkohl. „Wir haben uns entschieden, dass es nur ein Essen gibt, da dies zu Hause ja auch so ist. Wenn es wie heute mal Fleisch gibt, lassen die Kinder, die vegetarisch essen, die Fleischbeilage einfach weg“, erklärt Daniela Hein. Ein paritätisch besetzter Mittagessensausschuss aus Lehr- und Fachkräften und Schülerinnen und Schülern einer Klasse wählt das Essen jeweils für einen Monat aus.

Was den beiden Leitungen besonders wichtig ist: Die schulischen Veränderungen sind nie abgeschlossen. „Am Anfang haben wir fast täglich nachgesteuert“, berichtet Daniela Hein. Zum Beispiel wurde die Hausaufgabenbetreuung im Mittagsband erst später eingeführt, als einige Eltern beklagten, dass der Schultag ja nun länger sei und die Kinder dann noch Hausaufgaben machen müssten. Auch gegen den Lärm muss noch einiges getan werden. Die ersten Schallschutzwände sind angebracht, aber noch muss die Schulleiterin ihre Arbeit unterbrechen, wenn die hungrigen Schülerinnen und Schüler unter ihrem Büro in die „Cluboase“ zum Essen gehen. „Das Gesetz kam zu schnell, es hätten erstmal die räumlichen Voraussetzungen geschaffen werden müssen. Aber wir haben das Beste draus gemacht. Und das Projekt macht auch immer noch Spaß, weil es ein gemeinsames von allen hier an der Schule ist“, erklärt sie zufrieden.

Schulporträt veröffentlicht im Jahr 2020.

Details zur Grundschule am Weinmeisterhorn

Schulform Grundschule
offene / teilgebundene / gebundene Ganztagsschule Offene Ganztagsschule
Schüler:innen 382
Schülerinnen und Schüler, die das Mittagessen nutzen 377 (vor der Einführung des Gesetzes: 220   EFöB-Kinder)
Anzahl der Mensa-Plätze
ca. 30 in der „Cluboase“
ca. 60 im Schülerhaus
Anzahl von Essen, die täglich zur Auswahl stehen
ein Essen zur Auswahl;
„Cluboase“: Schüsselessen und Salatbuffet
Schülerhaus: Essenausgabe und Salatbuffet
Zeittakt des Unterrichts 45 Minuten
Unterrichtsbeginn 8 Uhr
Pausenzeiten
9.35-9.55 Uhr: 1. große Pause alle Klassen
11.35-12 Uhr: 2. große Pause Klassen 1-4
11.35-12.50 Uhr: Mittagsband Klasse 5-6
Mittagessen
Klassen 5: 11.35-12.05 Uhr
Klassen 6: 12.10-12.40 Uhr
Klassen 1-4: jeweils nach Unterrichtsschluss zwischen 12.50 und 14.30 Uhr

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