Carl-Kraemer-Grundschule

„Jede Veränderung hat immer auch einen positiven Effekt“

DKJS/ Kathleen Fietz

Die Carl-Kraemer-Grundschule ist eine gebundene Ganztagsschule, an der schon lange alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam Mittag essen. An der Weddinger Schule hat sich deshalb durch das Gesetz zum beitragsfreien Mittagessen nichts verändert. Doch sie kann vielen Schulen als Vorbild für ein gut organisiertes Mittagessen dienen: Die Schule hat ein Mittagsband entwickelt, das den Kindern neben dem Essen auch genügend Zeit zum Austoben und Entspannen lässt.

Ein Schulporträt von Kathleen Fietz

Ob die zeitweilige Auslagerung des gesamten Schulbetriebs an drei Standorte oder die mehrjährige Grundsanierung der gesamten Schule, die demnächst ansteht: Die Schulleiterin Kirsten Sümenicht und die koordinierende Erzieherin Martina Kühn kennen sich aus mit großen Veränderungen und begegnen ihnen mit professioneller Gelassenheit und viel Improvisationstalent. „So blöd und ungewollt wie vielleicht manche Situationen erst einmal sind, haben sie immer auch einen positiven Effekt – auch wenn man das manchmal erst im Nachhinein sieht“, erklärt Kirsten Sümenicht lachend.

Eine lange Pause am Mittag

Ein solch positiver Effekt ist auch das Mittagsband an der Carl-Kraemer-Grundschule: eine 90-minütige Pause, in der die Schülerinnen und Schüler in Ruhe essen, sich auf dem Schulhof austoben, Angebote wahrnehmen und sich entspannen können. Entstanden ist das Mittagsband genaugenommen durch den unglücklichen Umstand, dass im Winter des Schuljahres 2018/19 Schimmel im Schulkeller entdeckt wurde. Der Keller war so stark befallen, dass die Schule für viereinhalb Monate geschlossen und der gesamte Schulbetrieb ausgelagert werden musste. Das bedeutete, dass alle 500 Schülerinnen und Schüler per Shuttlebus an drei andere Schulen gefahren werden mussten. Und das hieß für alle pädagogischen Lehr- und Fachkräfte, dass sie ihre Lehr- und Stundenpläne den neuen Gegebenheiten an ihrer jeweiligen Ausweichschule anpassen mussten.

Als der Keller trockengelegt war und die Kinder an ihre Schule zurückkehren konnten, hatten alle Klassen verschiedene Stundentaktungen, die nun wieder in Einklang gebracht werden mussten. Das Kollegium nahm von den anderen Schulen Ideen mit, wie sie ihren Schultag anders rhythmisieren könnten. Ein guter Zeitpunkt, denn wirklich zufriedenstellend war die Mittagsorganisation bisher nicht. Alle Klassen hatten eine feste Essenzeit und danach ging es direkt wieder in den Unterricht. Zudem gab es mittags eine gemeinsame Hofpause für alle – auf dem eigentlich viel zu kleinen Außengelände. „Sie können sich den Frust vorstellen, wenn es für 500 Kinder eine Schaukel gibt. Es gab immer Streitigkeiten, Konflikte und Unfälle, und wir mussten ständig Kühlpads und Pflaster austeilen“, erzählt Martina Kühn aus dieser Zeit.

„Es ist jetzt viel entspannter. Es sind immer nur drei bis vier Klassen gleichzeitig auf dem Hof. Die Kleinen kommen auch mal dazu, den Sportplatz zu nutzen und Fußball zu spielen und werden nicht gleich von den Großen vertrieben“

Kirsten Sümenicht
Schulleiterin

Mehr Entspannung für alle

Nach der Rückkehr in die Weddinger Grundschule überlegte das gesamte Kollegium deshalb gemeinsam, wie man die Pausen und das Mittagessen besser organisieren könnte. „Wir hatten zum Beispiel an einer anderen Schule die Erfahrung gemacht, dass eine Erholungszeit vor oder nach dem Mittagessen den Kindern total guttut“, erzählt Martina Kühn weiter. So entstand die Idee für das neue Mittagsband: Die fünfte und sechste Stunde wurde für die Klassen 4-6 zum Mittagsband, die Erst- bis Drittklässler machen nun in der siebten und achten Stunde eine lange Pause. Die jüngeren Schülerinnen und Schüler haben später ihr Mittagsband, da sie vormittags in den „außerunterrichtlichen Zeiten“ Snacks oder ähnliches zwischendurch essen und auch rausgehen können.

Während des Mittagsbandes essen die Kinder eine halbe Stunde, gehen auf den Hof und können in der Freizeitetage unterschiedliche Angebote nutzen – etwa in der Bibliothek lesen oder an einer angeleiteten Entspannung teilnehmen. „Es ist jetzt viel entspannter. Es sind immer nur drei bis vier Klassen gleichzeitig auf dem Hof. Die Kleinen kommen auch mal dazu, den Sportplatz zu nutzen und Fußball zu spielen und werden nicht gleich von den Großen vertrieben“, erzählt die Schulleiterin. Und Martina Kühn ergänzt: „Dieses Anspannen und dann Austoben und Entspannen ist toll für die. Das merken auch die Fachlehrer am Nachmittag, die Kinder sind viel entspannter und nicht so aufgedreht.“

DKJS/ Kathleen Fietz

Geht man ins Erdgeschoss und betritt mittags die Mensa, fällt sofort auf: Kinder und Lehrkräfte springen nicht gleich auf, nachdem sie fertig gegessen haben, sondern bleiben noch sitzen und unterhalten sich. Das liegt nicht zuletzt an der besonderen Einrichtung. Neben den normalen Tischen, gibt es hohe Holztische an den Fenstern, wo man auf Barhockern essen kann. Im hinteren Teil des großen Raumes spenden rote, tief hängende Lampen gedämmtes Licht, auch die verschiedenen Holzmöbel machen die beiden Essensräume wohnlich. Sie strahlen fast schon Gemütlichkeit aus und vermitteln eine Ruhe, die gerade in Mensen meistens fehlt. Die Einrichtung der Mensaräume und die Gestaltung einiger Klassenräume sind Ergebnis des Projektes Bauereignis. Architektinnen, Architekten und Tischler haben gemeinsam mit den Kindern die Gestaltung der Räume entworfen und umgesetzt, auch die Möbel haben die Schülerinnen und Schüler selbst gebaut und verschraubt.

Das Kollegium schreibt die Stundenpläne gemeinsam

Partizipation wird an der Carl-Kraemer-Grundschule großgeschrieben – das gilt nicht nur für die Schülerschaft. Seit der Rückkehr von den drei Ausweich-Standorten erstellt nicht mehr die Schulleitung, sondern das gesamte Kollegium die Stundenpläne gemeinsam und bringt sich ein. Das heißt konkret, dass die koordinierende Erzieherin eine Art Rohgerüst erstellt mit festgelegten Stunden wie Mittagsband, Sport, Expertenkurse oder AGs und um diese herum bauen die pädagogischen Lehr- und Fachkräfte ihren Stundenplan selbst. „So merken alle, was es bedeutet, wenn ich meine eigene Stunde verschiebe, also was das mit sechs anderen Kollegen macht. Seit alle sehen, wie komplex das ist und selbst dafür verantwortlich sind, wird der längere Arbeitstag auch von allen mitgetragen“, erzählt Kirsten Sümenicht zufrieden.

Schulporträt veröffentlicht im Jahr 2020.

Details zur Carl-Kraemer-Grundschule

Schulform Kunstbetonte Grundschule
offene / teilgebundene / gebundene Ganztagsschule Gebundene Ganztagsschule
Schüler:innen 500
Schülerinnen und Schüler, die das Mittagessen nutzen 500 (Mittagessen für alle verpflichtend)
Anzahl der Mensa-Plätze
ca. 100
Anzahl von Essen, die täglich zur Auswahl stehen
ein Essen; auf Bestellung auch ein vegetarisches Gericht;
Schüsselessen und Essenausgabe; Salatbuffet
Zeittakt des Unterrichts 45 Minuten
Unterrichtsbeginn 8.00 Uhr
Pausenzeiten
Kleine Pausen für alle:
9.30-9.40 Uhr; 11.10-11.20 Uhr; 12.50-12.55 Uhr; 14.25-14.30 Uhr 
Mittagsband:
11.20-12.50 Uhr: Klassen 4-6
12.55-14.25 Uhr: Klassen 1-3
Mittagessen Jeweils 30 Minuten innerhalb des Mittagsbandes in Schichten

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