Mildred-Harnack-Schule

„Die Schüler:innen lernen, wie Demokratie funktioniert“

DKJS/ Katharina Zink

An der Mildred-Harnack-Schule in Berlin-Lichtenberg fließen in die Schulentwicklung die Perspektiven aller ein. Im Schulentwicklungsteam schieben Schüler:innen, Lehrkräfte, Pädagog:innen und Eltern gemeinsam Initiativen und deren Umsetzung an.

Ein Schulporträt von Katharina Zink

Im Schulclub der Mildred-Harnack-Schule in Berlin-Lichtenberg brennt noch Licht. Es ist 19 Uhr, der Elternsprechtag ist gerade zu Ende gegangen. Drei Schüler:innen, vier Lehrkräfte, ein Vater, die Koordinatorin des Schulclubs und der Schulleiter der offenen Ganztagsschule, Uwe Schmidt, sitzen um einen Tisch herum. Wie jeden Monat kommt das Schulentwicklungsteam (SET) zusammen. Heute geht es um das Mittagessen, das seit diesem Jahr angeboten wird. „Das war ein großer Wunsch von den Schüler:innen, dass wir an der Schule ein Mittagessen bekommen“, erzählt Schülersprecher Jan aus der 10. Klasse. Das Anliegen wurde im SET aufgegriffen – und in den letzten beiden Jahren nach und nach umgesetzt. Insgesamt wird das Angebot gut angenommen, aber es läuft noch nicht alles rund.

Das SET trägt die Rückmeldungen zusammen und diskutiert nächste Schritte: „In der Elternversammlung gab es Feedback, was den Ablauf anbelangt. Die Kinder haben manchmal nicht so viel Zeit zum Essen. Außerdem finden manche die Atmosphäre nicht so angenehm. Es ist laut und die Schlange bei der Essensausgabe ist lang”, berichtet Hicham El Hajoui, Vater eines Siebtklässlers. „Manchmal gibt es am Ende der Mittagspause nicht mehr genug Essen für alle. Ich hab’ aber bisher immer etwas bekommen”, ergänzt Schülerin Sandy.

Um noch genauer zu wissen, was verbessert werden kann, sollen das Mittagessen und die Prozesse evaluiert werden. Die Gruppe diskutiert, ob und wie die Befragung anonym und möglichst niedrigschwellig durchgeführt werden kann und wie eine Unterstützung durch die TU Berlin aussehen kann.

„Das Gute am SET ist für mich, dass hier Themen mit allen zusammen, also Eltern, Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern diskutiert werden”

Jan
Schulsprecher aus der 10. Klasse

Schulentwicklung weiterbringen im SET

Das Schulentwicklungsteam kommt seit vier Jahren zusammen, die Treffen finden außerhalb der Unterrichtszeit statt und fordern damit zusätzliches Engagement. „Zu Beginn war die Fluktuation im SET noch hoch, mittlerweile ist die Runde sehr stabil”, erzählt Kerstin Gruihn, die als Qualitätsbeauftragte das Gremium ins Leben gerufen hat. Das SET treibt in den letzten Jahren die Schulentwicklung an der Mildred-Harnack-Schule voran, indem es Verbesserungsmöglichkeiten identifiziert, die Schulleitung berät und einzelne Arbeitsaufträge wie Recherche und die Koordination Externer übernimmt. Die Stimmung ist entspannt und der Umgangston locker. Die Teilnehmenden verbindet das Interesse daran, Themen rund um den Ganztag und den Schulalltag voranzubringen. „Hier bringt man direkt die Entwicklung der Schule weiter, deshalb mache ich mit. Die Planung, Einführung und Umsetzung des Mittagessens ist für mich unser größter Erfolg. Aber wir setzen uns auch mit anderen Themen auseinander, es gibt schon viel Handfestes”, erzählt Biologie- und Physiklehrer Konrad Klockmeier, der seit 2,5 Jahren dabei ist. In den letzten beiden Jahren war unter anderem die WLAN-Versorgung an der Schule oder die Schulabstinenz einzelner Schüler:innen Thema im SET.

Die Umsetzung gelingt nicht zuletzt deshalb so gut, weil verschiedene Akteure beteiligt sind und die Schüler:innenperspektive konsequent eingebunden wird: „Das Gute am SET ist für mich, dass hier Themen mit allen zusammen, also Eltern, Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern diskutiert werden”, findet Jan. Die Ganztagsschule legt in allen Gremien wie der Gesamtkonferenz oder Schulkonferenz neben der Beteiligung von Eltern großen Wert auf die Einbindung von Schüler:innen, wie Kerstin Gruihn berichtet: „Die Schülerinnen und Schüler sind ja die größte Gruppe und wenn wir über sie hinweg entscheiden, trifft das oft nicht die Bedarfe und Bedürfnisse. Deshalb ist es uns wichtig, mit ihnen in Kontakt zu sein und ihre Anliegen umzusetzen. Denn je stärker sich die Schüler:innen identifizieren, desto besser lernen sie. Und beim Lernerfolg geht es nicht unbedingt um die besten Noten.“

„Unser Schulleiter lebt Partizipation vor, gerade wenn es darum geht, die Schüler:innen zu beteiligen. Er bindet sie in allen Gremien aktiv in die Diskussionen ein und vermittelt dieses pädagogische Selbstverständnis auch im Kollegium.”

Kerstin Gruihn
Qualitätsbeauftragte

Beteiligung bei den Schüler:innen erhöhen

Beim Thema Partizipation arbeitet Kerstin Gruihn eng mit Schulleiter Uwe Schmidt zusammen. Gemeinsam haben sie zum Beispiel initiiert, dass auch in Lehrerarbeitsgruppen, die themenbezogen ins Leben gerufen werden, Schüler:innen und auch Eltern eingebunden werden. „Unser Schulleiter lebt Partizipation vor, gerade wenn es darum geht, die Schüler:innen zu beteiligen. Er bindet sie in allen Gremien aktiv in die Diskussionen ein und vermittelt dieses pädagogische Selbstverständnis auch im Kollegium.”

Bei der Aktivierung der Schüler:innen gibt es allerdings noch Potenzial. Bisher beteiligen sich nur wenige Schüler:innen, die dann ihre Schule in mehreren Funktionen mitgestalten. Oft gelingt es beispielsweise nicht, Aufgaben in der Gesamtschülervertretung zwischen den Schülersprecher:innen und anderen Schüler:innen aufzuteilen. Das ist auch ein Thema im SET. Sandy und Jan sind Schülersprecher:innen und engagieren sich im Schulentewicklungsteam. Gerade haben sie die Bewerbung für den Schüler:innenHaushalt auf die Beine gestellt. „Wir haben die Bewerbung am Donnerstag fristgerecht abgegeben”, gibt Jan den aktuellen Stand ins SET weiter. „Wir haben uns jetzt in der GSV dafür entschieden, dass wir Geld für Mülleimer wollen, um den Müll in den Klassenzimmern zu trennen.”

Kommunikationsflüsse verbessern

„Wir hatten beim letzten Mal ja auch diskutiert, dass ihr das alles nicht alleine stemmen müsst. Braucht ihr noch Unterstützung, um andere Schülerinnen und Schüler ins Boot zu holen?”, erkundigt sich Kerstin Gruihn. Denn die Bewerbung für den Schüler:innen-Haushalt wurde auch gezielt genutzt, um weitere Schüler:innen für solche Projekte zu gewinnen. „Wir sind da gerade auf dem Weg. Viele wissen gar nicht, wie sie sich einbringen können. Was in der GSV besprochen wird, muss von den Klassensprecher:innen in den Klassen kommuniziert werden. Und das ist im Moment noch wie ‘Stille Post’, viele Informationen gehen verloren”, erzählt Kerstin Gruihn. Für sie geht es auch darum, Partizipationsmöglichkeiten und aktuelle Themen klarer zu kommunizieren.

In den letzten Wochen wurde deshalb in der GSV dafür geworben, beim Schüler:innen-Haushalt mitzumachen und in den Klassen davon zu erzählen. So sollen mehr Schüler:innen erfahren, wo und wie sie sich beteiligen können. Und tatsächlich gibt es schon erste Interessent:innen: „In der letzten GSV haben wir mit einigen aus der Mittelstufe geredet, die gerne im Schülervertretungsteam mitmachen wollen”, freut sich Jan.

Immer mehr Schüler:innen einzubinden, ist Kerstin Gruihn wichtig, um die Selbstwirksamkeit bei den Jugendlichen zu erhöhen: „Die Schülerinnen und Schüler lernen, wie Demokratie funktioniert und was sie tun können, um ihre Anliegen umzusetzen. Und sie merken: Ich werde gehört und ich werde angenommen.“

Schulporträt veröffentlicht im Jahr 2023.

Die Mildred-Harnack-Schule ist eine integrierte Sekundarschule mit gymnasialer Oberstufe und Europa-Schule (Russisch/Deutsch). An der offenen Ganztagsschule können Schüler:innen von der Berufsbildungsreife bis zum Abitur unterschiedliche Abschlüsse erlangen.

Details zur Mildred-Harnack-Schule

Schulform ISS mit gymnasialer Oberstufe
offene / teilgebundene / gebundene Ganztagsschule Offene Ganztagsschule
Schüler:innen ca. 950
Lehrkräfte 93
Schulsozialarbeiter:innen 3

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