Athene-Grundschule

„Schüler:innen-Partizipation von Anfang an“

Wie gelingt es, schon die Schüler:innen der 1. und 2. Klassen in demokratische Mitwirkung in der Schule einzubeziehen? Dieser Frage gingen die Teilnehmenden im Rahmen des Hospitationsangebots „Schulen im Dialog“ am 31. Mai 2024 an der Athene-Grundschule in Berlin-Lichterfelde nach. Pädagog:innen aus sechs Berliner Ganztagsgrundschulen hatten die Möglichkeit, das „Mini-Parlament“ an der Athene-Grundschule live mitzuerleben und mit Pädagog:innen und Schüler:innen ins Gespräch zu kommen.

„Das Schüler:innenparlament und das Mini-Parlament werden von einem multiprofessionellen Team aus einer Lehrkraft, zwei Schulsozialarbeiterinnen und zwei Erzieher:innen begleitet.“

Christiane Andorf-Seretis, die Schulleiterin der deutsch-griechischen Staatlichen Europagrundschule mit Regelschulzweig betont in ihrer Begrüßung und Einleitung der Veranstaltung die große Bedeutung, die Bildung für Demokratie an der Schule hat. Gerade auch aufgrund der in sehr verschiedener Hinsicht heterogenen Schüler:innenschaft sei Partizipation und die Entwicklung demokratischer Kompetenzen eine wichtige Basis der schulischen Arbeit. Zudem komme das Mini-Parlament, die monatliche Versammlung der Klassensprecher:innen der 1. und 2. Klassen, den kürzlich nochmals verstärkten Mitwirkungsrechten für Schüler:innen, auch der 1.  Klasse entgegen.

Die Schüler:innen-Mitwirkung in der Athene-Grundschule ruht auf mehreren Pfeilern: Neben dem Klassenrat, der in allen Klassen durchgeführt wird, treffen sich die Klassensprecher:innen der 3. bis 6. Klassen im Schüler:innen-Parlament einmal monatlich für zwei Schulstunden zu ihren Beratungen, die Klassensprecher:innen der 1. und 2. Klassen ebenfalls einmal monatlich für eine Schulstunde im Mini-Parlament, „um Ideen zur Verbesserung des Schulklimas zu entwickeln, Vorhaben in Zusammenarbeit mit der Lehrerschaft und dem Förderverein zu planen und Probleme des Schulalltages zu klären“ (vgl. Webseite der Schule). In regelmäßigen Abständen tagen die Parlamente auch zusammen. Ein:e gewählte:r Schulsprecher:in und ein:e Stellvertreter:in vertreten die Schülerschaft als Ganzes. Vier gewählte Schüler:innen der 3. bis 6. Klassenstufe sitzen außerdem als stimmberechtigte Mitglieder in der Schulkonferenz. Ganz neu ist 2024 der Schüler:innenhaushalt hinzugekommen, ein auf bezirklicher Ebene der Schülerschaft zugesprochenes Budget, das sie eigenverantwortlich für bestimmte schulische Anschaffungen einsetzen kann. Das Schüler:innenparlament und das Mini-Parlament werden von einem multiprofessionellen Team aus einer Lehrkraft, zwei Schulsozialarbeiterinnen und zwei Erzieher:innen begleitet.

„Die Kinder hatten sich im Vorfeld mit der Hospitation durch schulfremde Erwachsene einverstanden erklärt, aber eine maximale Zahl an Teilnehmenden festgelegt.“

Nach der inhaltlichen Einführung durch Schulleitung und Sozialarbeiterinnen geht es für die Teilnehmenden der Hospitation zur Live-Sitzung des Mini-Parlaments. Die Kinder hatten sich im Vorfeld mit der Hospitation durch schulfremde Erwachsene einverstanden erklärt, aber eine maximale Zahl an Teilnehmenden festgelegt.

In einem Stuhlkreis nehmen die Klassensprecher:innen der 1. und 2. Klassen Platz, jedes Kind trägt ein Schild um den Hals, das zeigt, welche Klasse es vertritt. Begleitet wird die Sitzung von den zwei Schulsozialarbeiterinnen und einer Lehrkraft. Sie übernehmen eine die Kinder unterstützende Rolle, indem sie sie bei der Ausfüllung ihrer Aufgaben, also z. B. der Moderation, anleiten und ihnen Hilfestellung geben und Tagesordnungspunkte sowie Ergebnisse für alle sichtbar an einer Pinnwand notieren. Die für die Durchführung des Mini-Parlaments wichtigen Rollen sind jeweils auf gelben Karten notiert.

Der nun folgende Ablauf ist als wiederkehrende Tagesordnung auf einem Flipchart visualisiert, eine Klammer mit einem Pfeil markiert den Tagesordnungspunkt, der gerade besprochen wird.

Zum Einstieg in die Sitzung liegen „Gefühlskarten“ auf dem Boden aus. Jedes Kind kann sich eine Karte aussuchen, um sich bewusst zu werden und den anderen zu vermitteln, in welcher Stimmung es in die Sitzung kommt.

Zwei Kinder übernehmen gemeinsam das neu eingeführte Amt der Moderation, zwei weitere die Rolle der Zeitwächter:innen. Sanduhren mit verschiedenen Zeitmaßen helfen ihnen bei ihrer Aufgabe, die sie während der Sitzung immer wieder entschieden mit der Ansage „Die Zeit ist um.“ ausfüllen.

Nach einem organisatorischen Punkt, den die Sozialarbeiterinnen einbringen, rückt der gelbe Pfeil zum Kern der Sitzung: „Themen sammeln und bearbeiten“.

Manche der Themen, die gesammelt werden, sind Anliegen der Kinder, die sie aus den Klassenratssitzungen mit ins Parlament bringen. So sprechen sie z.B. an, dass sie sich mehr Pflanzen bzw. Bäume auf dem Schulgelände wünschen und erhalten von den Pädagog:innen den Tipp, sich damit über ihre Klassenleitung an die zuständige Pädagogin für den Schulgarten zu wenden. Ein weiteres Thema, das die Kinder beschäftigt, sind gelegentlich verschwindende Hausschuhe. Die Hausschuhe tragen die Schüler:innen in den Klassenräumen. Sie werden ansonsten in Regalen im Flur verwahrt. Nachdem einige Schüler:innen ihre Beobachtungen und Erlebnisse zum Thema geschildert haben, wird gemeinsam nach möglichen Lösungen gesucht. Andere Themen kommen aus dem schulischen Leben generell, wie z. B. der Punkt „Bundesjugendspiele auswerten“. Dabei nehmen die Klassensprecher:innen eine wichtige repräsentative Rolle ein, indem sie die Rückmeldungen aus ihren Klassen gebündelt mit ins Parlament bringen.

„Besonders hervorgehoben wird auch, dass alle Themen ernstgenommen und gemeinsam bearbeitet werden und praktische Hilfsmittel wie die Sanduhren die Selbststeuerung durch die Kinder erleichtern.“

Nach einem lebhaften Austausch und dem Hinweis der Zeitwächter:innen, dass die Stunde gleich vorbei sei, unterstützen die Pädagoginnen die Kindern dabei, die unabgeschlossenen Themen für die nächste Sitzung zu sortieren: Durch eine Abstimmung ist klar, welches Thema beim nächsten Mal oben auf der Agenda stehen soll. Zum Ende werden die Moderator:innen für die kommende Sitzung bestimmt. Dann gehen alle auseinander. Die Pädagog:innen senden ein Fotoprotokoll der Ergebnisse an die Klassenleitungen, so dass diese über alle Themen informiert sind und ggf. die Schüler:innen bei der weiteren Bearbeitung, z. B. im Klassenrat unterstützen können.

Die Hospitationsgruppe reflektiert nun unter Beisein der Schulsprecherin und weiterer Klassensprecher:innen aus höheren Klassenstufen die Eindrücke aus dem Miniparlament. Als beeindruckend beschreiben die Teilnehmenden die ruhige, konzentrierte Atmosphäre der Sitzung, das Selbstbewusstsein der Kinder, die empathische und unterstützende Begleitung durch die Pädagog:innen. Besonders hervorgehoben wird auch, dass alle Themen ernstgenommen und gemeinsam bearbeitet werden und praktische Hilfsmittel wie die Sanduhren die Selbststeuerung durch die Kinder erleichtern. Deutlich wird, dass die kommunikativen und demokratischen Prozesse Zeit brauchen und nicht zu strikt darauf gedrungen werden sollte, alle Themen sofort „abzuarbeiten“. Alles in allem bleibt der ermutigende Eindruck gelebter demokratischer Praxis, an der die Jüngsten wachsen können.

Was das Erleben und die Einübung dieser Partizipation bewirkt, wird dann im Gespräch mit den älteren Schul- und Klassensprecher:innen deutlich. Sie geben selbstbewusst, kompetent und präzise Auskunft zu den Fragen der Erwachsenen.

Einen schönen Abschluss der „Schulen im Dialog“-Veranstaltung bildet der Schulrundgang, den die Kinder leiten. Die Gruppe bekommt die tolle Gelegenheit, Klassen- und Fachräume, das beeindruckende Dach der Schule mit Sprunggrube, 50m-Bahn, Fußballplatz und Verkehrsübungsplatz sowie das ansprechende Außengelände zu besichtigen, bevor sie sich mit inspirierenden Eindrücken zur Partizipation der Jüngsten an Ganztagsgrundschulen im Gepäck von Pädagog:innen und Schüler:innen der Athene-Grundschule verabschiedet.

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