Wie viel Bedarf sehen Sie an Brandschutzberatung in den Schulen? Welche Anfragen erreichen Sie?
Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig Wissen in diesem Bereich in den Schulen angekommen ist. Deshalb erreichen mich oft Anfragen von verzweifelten Schulen, die Unterstützung suchen, damit ihre Ideen zur Gestaltung ihres Schulgebäudes nicht am Brandschutz scheitern. Häufig sehen sie leere Flächen in ihren Schulen und fragen sich, wie sie diese Flächen nutzen können. Und da möchte ich zeigen, dass niemand den Mut verlieren muss, wenn man aus einer Schule keine Lernlandschaft machen kann, weil zum Beispiel nicht ausreichend Geld da ist. Ich will Mut machen, auszuprobieren und die bestehenden Gebäude zu gestalten. Wer an Abriss denkt, hat keine Ideen und nimmt zudem die Verschwendung von Ressourcen in Kauf.
Gemeinsam mit dem bauereignis Sütterlin Wagner wurde ein Ansatz entwickelt, mit dem wir schnell an die Schulen kommen und uns einen Überblick verschaffen. Gemeinsam mit den Menschen vor Ort schauen wir uns genau an, um welche Fragen es überhaupt geht und wo sinnvolle Ansatzpunkte liegen. Zuallererst ist das eine Entwurfs- und Gestaltungsaufgabe für die Schulen. Wir begleiten und geben ein paar Anschubser, den Rest machen Schulleitung und Lehrkräfte und im besten Fall die Kinder. Denn die wissen am besten, was sie brauchen. Wir raten auch dazu, über den Tellerrand hinauszuschauen und sich Inspiration an anderen Schulen zu holen. Brandschutztechnisch gehen wir dann später wieder mehr in die Tiefe, wenn die Entwürfe gezeichnet werden und es in den Prozess des Bauens geht. Aber es finden uns noch zu wenig Schulen und wir wollen unsere Erfahrung möglichst breit streuen.
Wo können sich Schulen Inspiration holen?
Neben den Schulen im direkten Berliner Umfeld finden sich ganz tolle Beispiele in Dänemark. In Aarhus gibt es die Frederiksbjerg Schule an der man den Unterschied zwischen Lernlandschaft und Lernraum gut sehen kann. Bei einer Lernlandschaft werden Wände entfernt und der Grundriss verändert. Bei einem Lernraum denke ich mehrdimensional und achte zum Beispiel auf die Blickbeziehungen. An der Frederiksbjerg Schule hat der Turnraum ein riesiges Fenster und wenn man dort hinausschaut, sieht man einen Tunnel, durch den die Kinder durchklettern können. In diesem Konzept wurden auch jede Menge Bewegungsräume angelegt.
Ebenfalls inspirierend ist das Orestad-Gymnasium in Kopenhagen. Dort ist das inhaltsdifferenzierte – nicht klassensortierte – Lernen gut ablesbar. Anfangs gab es Probleme mit der Akustik. Den Lärm zu reduzieren ist eine weitere wichtige Stellschraube im Aus- und Umbau von Schulen, die von Anfang an mitgedacht werden muss.
Brandschutztechnisch gibt es zwei Grundkonzepte, die oft nicht so klar kommuniziert werden. Diese Konzepte sind aber mitbestimmend für die Grundform, ob es also um eine zweidimensionale Lernlandschaft oder um einen dreidimensionalen Lernraum geht. Die Bauordnung lässt es brennen, bis Bauteile wie Decken und Wände den Brand eingrenzen. Das ist bei einem frei gedachten dreidimensionalen Lernraum nicht möglich. Hier kommt das andere Grundkonzept zum Tragen: Es nicht brennen zu lassen. Entstehungsbrände werden nicht mit Bauteilen, sondern mit automatischen Löschanlagen eingegrenzt – freie und offene Räume sind möglich.
Und hier schließt sich der Kreis: Sollen solche Lernräume baulich umgesetzt werden, braucht es zu Beginn klare Fragen und klare Anforderungen. Wenn Unsicherheiten bleiben, werden sich neue Lösungen beim Schul- und Bauamt und in den entsprechenden Gremien nicht durchsetzen. Deshalb ist die Begleitung durch Expertinnen und Experten zu einem frühen Zeitpunkt so entscheidend.