Brandschutz

Brandschutz Ganztagsschulen Berlin
Jakub Zerdzicki/Unsplash

Keine Angst beim Thema Brandschutz! Andreas Flock ist Architekt und Sachverständiger für vorbeugenden Brandschutz.

Seit 2009 beschäftigt er sich mit Brandschutz in Schulen. In Vorträgen und Interviews erklärt er, warum Schulen sich mehr trauen können und wie der Brandschutz zu modernen Schulkonzepten beitragen kann.

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„Ich will den Schulen Mut machen, ihre Gebäude zu gestalten”

„Wie Brandschutz wieder Spaß macht!“ Andreas Flock begleitet seit 2009 viele Berliner Schulen bei ihrem Umbau. Er erläutert, wie man Schulflure brandschutzgerecht als Lernraum nutzen kann – auch mit Möbelierung. Er stellt Beispiele vor und gibt einen Überblick, was in Berlin alles möglich ist. „Es geht weil, … !“

Herr Flock, Sie beschäftigen sich mit Brandschutz und unterstützen viele Schulen bei diesem Thema. Wie sind Sie dazu gekommen?

Ich bin schon vor 20 Jahren zum Brandschutz gekommen. Damals arbeitete ich als Architekt und der Brandschutz bot mir die Gelegenheit mich zu spezialisieren. Mir hat gefallen, dass der Brandschutz sowohl ein strukturelles als auch ein konzeptionelles Thema ist. Vor allem wenn man als Experte früh eingebunden wird. Mit Schulen ging es für mich mit der Nürtingen Grundschule in Berlin-Kreuzberg im Jahr 2009 richtig los. Zuerst haben wir uns nur mit einer kleinen zusätzlichen Spielebene beschäftigt, die eingebaut werden sollte. Dafür haben wir überlegt, wie wir Baurecht übersetzen und etwas weiter fassen können, sodass es sowohl den Brandschutz als auch die Anforderung, zusätzlichen Nutzraum zu schaffen, erfüllt. Und so sind wir am Ende bei einem Flur mit fester Möblierung gelandet. Denn es steht nirgends, dass ein Flur nicht genutzt werden darf. Vorgaben aus dem Baurecht oder dem Brandschutz sind kein Patentrezept, sondern sie geben die Zielrichtung vor.

Das ist der große Kreis, der uns bis heute begleitet. Wenn wir früh eingebunden werden, haben wir die Möglichkeit, auch mit einem kleinen Projekt in der Schule anzufangen und beispielsweise ein Selbstbauprojekt zu unterstützen, das fast keine Kosten verursacht. Davon ausgehend können wir dann gemeinsam mit der Schule weitere Lösungen entwickeln. Die Kosten sind ohnehin oft nicht das Entscheidende. Es geht eher darum, Unsicherheiten zu überwinden, wenn sich die Abläufe in der Schule durch bauliche Maßnahmen verändern. Meistens stellt sich heraus, dass beispielsweise möblierte Flure wunderbar funktionieren: Kinder haben mehr Räume, um in Ruhe zu lernen – sowohl einzeln für sich, als auch in Gruppen.

„Wir haben den wunderbaren Begriff gefunden: Der Klassenraum kann atmen. Er atmet in den Flur aus und wieder ein und man hat einen flexiblen Nutzungsraum.“

Andreas Flock
Architekt und Brandschutzexperte

Wie tragen Sie als Brandschutzexperte zu einem gelungen Raumkonzept in Schulen bei?

Als Brandschutzexperte öffne ich zum einen den Blick für verschiedene Lösungen und helfe mit, dass die Ideen auch wirklich umgesetzt werden können und baurechtlich Bestand haben. Wir haben den wunderbaren Begriff gefunden: Der Klassenraum kann atmen. Er atmet in den Flur aus und wieder ein und man hat einen flexiblen Nutzungsraum. Das unterscheidet diese Lösungen von vielen Lernlandschaften, die meistens eher Lernflächen sind. Diese Flächen werden häufig “zumöbliert”. Das ist dann gemütlich und bietet viele Sitzmöglichkeiten, es fehlen aber klare Wege. Spätestens wenn die Kinder zu rennen anfangen, merkt man, dass so ein Flur auch seine Vorteile hat. Beim Projekt an der “Nürti” war das Schöne, dass von Anfang an die Unfallkasse mit dabei war, die sehr kooperativ war. So wurden Daten erhoben, die zeigen, dass in den individuell möblierten Klassenräumen die Unfallzahlen deutlich niedriger sind als in den normalen Klassenräumen, wo sich meistens viele Stolperfallen finden.

Für mich ist es spannend, dass durch unsere Beratung neue Räume und Flächen für den Schulbetrieb erschlossen werden. Diese Konzepte können neben neuen Lernlandschaften und neuen Lernräumen gleichbedeutend bestehen. Die Bilingual School Berlin ist dafür ein anderes Beispiel. Dort sollte das Gebäude weiter genutzt werden, das auch schon passend zum Lernkonzept mit Einbauten und Möblierung ausgestattet war. Aber der Hof wurde reflexartig für die Feuerwehr freigehalten, um auch die hinteren Räumlichkeiten mit dem Löschfahrzeug zu erreichen. Dann wurde aber doch akzeptiert, die Zuleitungen zu den Löschwasserleitungen des hinteren Treppenraumes so zu verlängern, dass das Löschfahrzeug nicht mehr in den Hof fahren muss. Dadurch konnte der Hof bepflanzt und anders gestaltet werden – und die Schule hat nun ein ganz anderes Gesicht.

„Wir begleiten und geben ein paar Anschubser, den Rest machen Schulleitung und Lehrkräfte und im besten Fall die Kinder. Denn die wissen am besten, was sie brauchen.“

Andreas Flock
Architekt und Brandschutzexperte

Wie viel Bedarf sehen Sie an Brandschutzberatung in den Schulen? Welche Anfragen erreichen Sie?

Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig Wissen in diesem Bereich in den Schulen angekommen ist. Deshalb erreichen mich oft Anfragen von verzweifelten Schulen, die Unterstützung suchen, damit ihre Ideen zur Gestaltung ihres Schulgebäudes nicht am Brandschutz scheitern. Häufig sehen sie leere Flächen in ihren Schulen und fragen sich, wie sie diese Flächen nutzen können. Und da möchte ich zeigen, dass niemand den Mut verlieren muss, wenn man aus einer Schule keine Lernlandschaft machen kann, weil zum Beispiel nicht ausreichend Geld da ist. Ich will Mut machen, auszuprobieren und die bestehenden Gebäude zu gestalten. Wer an Abriss denkt, hat keine Ideen und nimmt zudem die Verschwendung von Ressourcen in Kauf.

Gemeinsam mit dem bauereignis Sütterlin Wagner wurde ein Ansatz entwickelt, mit dem wir schnell an die Schulen kommen und uns einen Überblick verschaffen. Gemeinsam mit den Menschen vor Ort schauen wir uns genau an, um welche Fragen es überhaupt geht und wo sinnvolle Ansatzpunkte liegen. Zuallererst ist das eine Entwurfs- und Gestaltungsaufgabe für die Schulen. Wir begleiten und geben ein paar Anschubser, den Rest machen Schulleitung und Lehrkräfte und im besten Fall die Kinder. Denn die wissen am besten, was sie brauchen. Wir raten auch dazu, über den Tellerrand hinauszuschauen und sich Inspiration an anderen Schulen zu holen. Brandschutztechnisch gehen wir dann später wieder mehr in die Tiefe, wenn die Entwürfe gezeichnet werden und es in den Prozess des Bauens geht. Aber es finden uns noch zu wenig Schulen und wir wollen unsere Erfahrung möglichst breit streuen.

Wo können sich Schulen Inspiration holen?

Neben den Schulen im direkten Berliner Umfeld finden sich ganz tolle Beispiele in Dänemark. In Aarhus gibt es die Frederiksbjerg Schule an der man den Unterschied zwischen Lernlandschaft und Lernraum gut sehen kann. Bei einer Lernlandschaft werden Wände entfernt und der Grundriss verändert. Bei einem Lernraum denke ich mehrdimensional und achte zum Beispiel auf die Blickbeziehungen. An der Frederiksbjerg Schule hat der Turnraum ein riesiges Fenster und wenn man dort hinausschaut, sieht man einen Tunnel, durch den die Kinder durchklettern können. In diesem Konzept wurden auch jede Menge Bewegungsräume angelegt.

Ebenfalls inspirierend ist das Orestad-Gymnasium in Kopenhagen. Dort ist das inhaltsdifferenzierte – nicht klassensortierte – Lernen gut ablesbar. Anfangs gab es Probleme mit der Akustik. Den Lärm zu reduzieren ist eine weitere wichtige Stellschraube im Aus- und Umbau von Schulen, die von Anfang an mitgedacht werden muss.

Brandschutztechnisch gibt es zwei Grundkonzepte, die oft nicht so klar kommuniziert werden. Diese Konzepte sind aber mitbestimmend für die Grundform, ob es also um eine zweidimensionale Lernlandschaft oder um einen dreidimensionalen Lernraum geht. Die Bauordnung lässt es brennen, bis Bauteile wie Decken und Wände den Brand eingrenzen. Das ist bei einem frei gedachten dreidimensionalen Lernraum nicht möglich. Hier kommt das andere Grundkonzept zum Tragen: Es nicht brennen zu lassen. Entstehungsbrände werden nicht mit Bauteilen, sondern mit automatischen Löschanlagen eingegrenzt – freie und offene Räume sind möglich.

Und hier schließt sich der Kreis: Sollen solche Lernräume baulich umgesetzt werden, braucht es zu Beginn klare Fragen und klare Anforderungen. Wenn Unsicherheiten bleiben, werden sich neue Lösungen beim Schul- und Bauamt und in den entsprechenden Gremien nicht durchsetzen. Deshalb ist die Begleitung durch Expertinnen und Experten zu einem frühen Zeitpunkt so entscheidend.

„Die Devise muss sein: Einfach probieren, sich mit anderen Schulen austauschen und Beratung suchen. So können sich Schulen ihre Eigenständigkeit bewahren und ihre Ideen umsetzen.“

Andreas Flock
Architekt und Brandschutzexperte

Was raten Sie Schulen, die ihre Gebäude umgestalten wollen?

Mut fassen und sich nicht beirren lassen! Wenn man eine gute Idee für die Umgestaltung des eigenen Lernraums hat, gilt es dranzubleiben. Vielleicht muss man über den Tellerrand schauen und sich aus dem eigenen Kreis herausbewegen, um Unterstützung zu erhalten. Ich hoffe, dass sich immer weniger Schulen von der Komplexität entmutigen lassen und dem Schulamt selbstbewusst begegnen. So dass sie sich auf dem Weg Fachwissen aneignen und merken, dass die meisten Hürden gar nicht so groß sind. Die Devise muss sein: Einfach probieren, sich mit anderen Schulen austauschen und Beratung suchen. So können sich Schulen ihre Eigenständigkeit bewahren und ihre Ideen umsetzen.

Motto: Einfach mal machen, könnte ja gut werden 😉

Hier erzählt Andreas Flock im SCHULBAU Podcast aus seiner kreativen Brandschutzpraxis und berichtet von zukünftigen Ideen, bisherige Flächen anders zu nutzen.

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„Man muss mit dem Bestandsbau prinzipiell so umgehen, als sei er ein Neubau“, sagt Dirk Lorenz. Er hat das Forschungsprojekt Brandschutz im Schulbau durchgeführt und daraus ist die Broschüre „Brandschutz im Schulbau – Neue Konzepte und Empfehlungen“ hervorgegangen.

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