Otfried-Preußler-Grundschule

„Es ist toll, wie genussvoll manche Kinder gemeinsam essen“

DKJS/ Kathleen Fietz

An der Otfried-Preußler-Grundschule brauchte das Kollegium eine gute Idee, um zum neuen Schuljahr 2019/20 200 Kinder mehr mit Mittagessen an der Schule versorgen zu können. Herausgekommen ist ein gut rhythmisierter Schulalltag, von dem vor allem die Schülerinnen und Schüler profitieren.

Ein Schulporträt von Kathleen Fietz

Alle Kinder sollen mittags eine warme Mahlzeit bekommen und einkommensschwache Familien sollen entlastet werden – das ist das Ziel des im Frühjahr 2019 verabschiedeten Gesetzes zum sogenannten elternkostenbeteiligungsfreien Mittagessen. Die meisten Schülerinnen und Schüler der Otfried-Preußler-Grundschule im eher gut situierten Ortsteil Heiligensee würden auch ohne das neue Gesetz ein warmes Mittagessen bekommen. Und dennoch profitieren sie sehr davon, denn nun essen von den 580 Schülerinnen und Schülern 550 jeden Mittag gemeinsam. „Früher saßen manchmal Kinder, die nicht zum Essen angemeldet waren, sehnsüchtig neben denen, die gegessen haben.  Es ist toll anzusehen, wie genussvoll manche Kinder jetzt gemeinsam zusammen essen. Vielleicht fehlt in einigen Familien auch abends die Zeit, dass alle zusammen in Ruhe gemeinsam am Tisch sitzen. Umso mehr genießen das die Kinder hier“, erzählt die Schulleiterin Dorothea Ferrari.

„Die Schüler, die lange Unterricht haben, sind einfach ausgeruhter durch diese große Pause mit dem Mittagessen. Und sie finden es super so“

Dorothea Ferrari
Schulleiterin

Die lange Erholungspause kommt gut an

Was vorher schon ausprobiert wurde, aber nicht so recht funktioniert hatte, klappt jetzt mit der Neuorganisation des Mittagessens sehr gut: Eine gut durchdachte Rhythmisierung des Schultages für alle Kinder. Das Kollegium hat die zweite große Pause mittags abgeschafft und für jede Klasse eine Freistunde geschaffen. In diesen 45 Minuten essen die Kinder jeweils 20 Minuten und den Rest der Zeit haben sie eine lange Pause, die sie auf dem großen Freigelände verbringen können. Dafür dauert jeder Schultag nun 20 Minuten länger, beinhaltet aber eine lange Erholungszeit am Mittag und das kommt bei den Schülerinnen und Schülern besonders gut an. „Die Schüler, die lange Unterricht haben, sind einfach ausgeruhter durch diese große Pause mit dem Mittagessen. Und sie finden es super so“, sagt die Schulleiterin.

Als Dorothea Ferrari in der Zeitung von dem bevorstehenden Gesetz gelesen hatte, traf sich die erweiterte Schulleitung schon lange vor der Verabschiedung des Gesetzes zu einer Klausurtagung. Gemeinsam entwickelten sie verschiedene Ideen zur Umsetzung des beitragsfreien Mittagessens und stellten sie auf einem Studientag dem gesamten Kollegium vor. Mithilfe von Plakaten mit genauen Angaben zur Mehrarbeitszeit, zu Pausen- und Essenszeiten konnten alle pädagogischen Lehr- und Fachkräfte ausführlich über die Ideen diskutieren und schließlich abstimmen. Die Entscheidung fiel mehrheitlich auf die Zusammenlegung einer großen Pause mit dem Mittagessen in eine volle Freistunde. „Wir sind ‚bewegte Schule‘, deshalb war es für uns ganz wichtig, den Kindern nicht die Pausen zu beschneiden“, erzählt die Schulleiterin.

DKJS/ Kathleen Fietz

Die Essenausgabe ist gut durchdacht

„Natürlich gab es Kollegen, die nicht begeistert waren. Viele machten sich zum Beispiel Sorgen, dass 20 Minuten den Kindern nicht ausreichen, um in Ruhe essen zu können“, erzählt Dorothea Ferrari weiter. Aber die Sorge hat sich nicht bestätigt: Gerade essen Viert- bis Sechstklässler unten in der Mensa. Auf dem Speiseplan steht Pasta. Jeweils fünf Klassen finden dort Platz. Also rund 100 Kinder, die sich alle erst an der Essenausgabe anstellen müssen. Dank eines ausgeklügelten Anstellsystems in vier Reihen – gekennzeichnet mit gelben und blauen Kreuzen auf dem Boden – geht die Essenausgabe zügig voran. „Wir haben uns deshalb für nur ein Essen entschieden. Bei zwei hätten wir Angst, dass wir das in der Zeit nicht schaffen würden“, räumt die Schulleiterin ein. So haben die Kinder ausreichend Zeit, um zu essen. Viele sind eher schon früher fertig, weil sie unbedingt auf den Hof wollen. Deshalb wurde an der Stelle auch nachgesteuert und beschlossen, dass alle Kinder mindestens zehn Minuten sitzenbleiben müssen, aber danach auch schon gern nach draußen gehen können.

Die Schule hatte im Gegensatz zu vielen anderen Berliner Schulen das Glück, ausreichend Platz für die zusätzlich essenden Kinder zur Verfügung zu haben. Zwei Klassen können in einem Raum mit runden Tischen und Hockern Platz finden, zwei weitere nebenan. Vor den Räumen sind auf dem Flur Marktstände mit Barhockern aufgestellt, die den vierten Klassen zum Mittagessen vorbehalten sind. „Die sind der Renner, das finden die Viertklässler super“, sagt Dorothea Ferrari. Der Platz für viele Kinder ist da, aber der Lärmpegel ist für alle anstrengend. Das Kollegium hat das gesamte Mobiliar ausgetauscht: Es gibt statt Stühlen Hocker, weil die seltener verrückt werden, in einem der Räume essen die Schülerinnen und Schüler an sogenannten Schmetterlingstischen mit fest verankerten Stühlen. Die Trennwand soll demnächst zur Schallschutzwand werden.

Die Essensaufsichten sind Aufgabe des gesamten Kollegiums

Die Aufsichten teilen sich alle pädagogischen Lehr- und Fachkräfte. Die pädagogischen Fachkräfte sind jetzt zwar für mehr Essensaufsichten verantwortlich, dafür haben sie aber am Vormittag nicht mehr so viel zu tun, da die Kinder weniger Betreuungszeiten als früher brauchen. Da die Lehrkräfte durch die Neuregelung an manchen Tagen eine zusätzliche Freistunde haben, hat die Schulleitung einen neuen Arbeitsraum eingerichtet, den Lehrkräfte für ihre Vor- und Nachbereitungen nutzen können. Die Essensaufsichten sind nicht beliebt und es gab auch die Überlegung, dafür Honorarkräfte einzusetzen. „Aber ich finde, diese Arbeit gehört dazu, weil man da auch viel mitbekommt von den Kindern und sie in anderen Zusammenhängen erlebt“, sagt Dorothea Ferrari und fügt hinzu: „Die Arbeitszeit an der Schule hat sich natürlich etwas verlängert, aber grundsätzlich haben wir das wirklich gut hinbekommen. Wir sind da am Wachsen und ich bin stolz auf mein Kollegium.“

Schulporträt veröffentlicht im Jahr 2020.

Details zur Otfried-Preußler-Grundschule

Schulform Grundschule
offene / teilgebundene / gebundene Ganztagsschule Offene Ganztagsschule
Schüler:innen 580
Schülerinnen und Schüler, die das Mittagessen nutzen 550 (vor der Einführung des Gesetzes: 350)
Anzahl der Mensa-Plätze
ca. 100
Anzahl von Essen, die täglich zur Auswahl stehen
ein Essen;
Essenausgabe und Salatbuffet
Zeittakt des Unterrichts 45 Minuten
Unterrichtsbeginn 8.15 Uhr
Pausenzeiten
9.50-10.15 Uhr: Frühstück und Hofpause
11.05-13.30 Uhr: jede Klasse hat 45 Minuten Pause (davon 20 Minuten fürs Mittagessen)
Mittagessen
4. Stunde: alle 1. Klassen
5. Stunde: Klassen 4a+4b und Klassen 5+6*
6. Stunde: Klasse 2+3 und Klassen 4c+4d*
* Es wird in jeweils zwei Schichten gegessen; die jeweils anderen Klassen haben Hofpause

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