Die Umsetzung schien anfangs unmöglich
Sogleich gibt sie eine Führung durch ihre Grundschule, die in einem ehemaligen Lazarett untergebracht ist. Sie zeigt kleine Unterrichtsräume, in denen bis zu 27 Schülerinnen und Schüler untergebracht sind, einen schmalen Raum, in dem die Kinder im Rahmen der verlässlichen Halbtagsschule außerhalb des Unterrichts betreut werden. „Wir sind zweizügig, haben aber nur Platz für anderthalb Züge. Wir platzen aus allen Nähten. Wo im Himmels Willen soll hier auch noch gegessen werden, habe ich damals gedacht“, erklärt sie. Durch die engen Flure würde gerade so ein Essenswagen passen, aber dann ließen sich die Türen zu den Unterrichtsräumen nicht mehr öffnen. Schüsselessen in den Unterrichtsräumen, wie vom Schulträger angedacht, wäre einfach nicht möglich gewesen, schon allein aus hygienischen Gründen. Und auch die Essensaufsichten hätten die Lehrkräfte nicht stemmen können. Als die Schulaufsicht und der Schulträger die Schulen nach einem Ampelsystem in rote, grüne und gelbe einteilte, schnitt die Grundschule mit einem klaren Rot ab – die Umsetzung des beitragsfreien Mittagessens sei dort fast ausgeschlossen.
Die besondere Situation an der Gatower Schule: Von den etwa 300 Schülerinnen und Schülern wurden vor der Einführung des Gesetzes 170 nachmittags im Hort betreut. Diese Kinder essen dort auch zu Mittag. Doch Schule und Hort liegen einen zehnminütigen Fußweg voneinander entfernt. Und auch im Gebäude des Hortes „Havel-Kids“ gibt es keine Mensa. Die Kinder essen versetzt in zwei Räumen, je nachdem, wann sie Unterrichtsende haben. Es wäre unmöglich gewesen, dort auch noch die etwa hundert neuen essenden Kinder der Schule zu verköstigen – zeitlich wegen der Entfernung und auch räumlich hätten die beiden Essensräume der „Havel-Kids“ niemals ausgereicht. „Wir wollten auch das Mittagessen im Hort so beibehalten, weil das gut klappte und wir da jetzt nicht auch noch zusätzliches Chaos reinbringen wollten“, erzählt Susanne Schäfer.