Hans-Carossa-Gymnasium

“Das Energielevel unser Schülerinnen und Schüler ist viel höher als früher”

DKJS/ Katharina Zink

Eine gut organisierte Mensa macht im Ganztag einen deutlichen Unterschied: Das Hans-Carossa-Gymnasium in Berlin-Gatow zeigt, wie durchdachte Mittagsbänder und ein rundes Mensakonzept zu einem produktiven Schulalltag beitragen.

Ein Schulporträt von Katharina Zink

Auf dem Schulgelände des Hans-Carossa-Gymnasiums in Berlin-Gatow sticht ein Gebäude hervor: Etwas zurückgesetzt steht ein moderner Glas-Kubus, der auf den ersten Blick gar nicht nach Schule aussieht. Bei genauerem Hinsehen sind Stühle, Tische, eine Salatbar und eine Essensausgabe zu erkennen: Es handelt sich um die Mensa des grundständigen Gymnasiums.

Der Neubau spiegelt wider, dass der Mittagsverpflegung hier ein hoher Stellenwert beigemessen wird. “Es geht darum, sicherzustellen, dass Kinder überhaupt leistungsfähig sein können und das durch ein warmes Mittagessen auch gesichert wird, wenn sie so lange in der Schule sind”, erklärt Lehrerin Corinna Lindenberg.

“Wir haben als offener Ganztag das Angebot, dass die Schülerinnen länger bleiben können. Und da war es für uns folgerichtig, den nächsten Schritt mit der Mensa zu gehen. Und wir haben uns überlegt, dass das nur ein gutes Projekt werden kann, wenn das von Anfang an gut geplant und begleitet wird.”

Corinna Lindenberg
Lehrerin

Startschuss durch den Ganztag

Den Startschuss für die Mensa gab die Umstellung auf den offenen Ganztag im Jahr 2015: “Wir haben als offener Ganztag das Angebot, dass die Schülerinnen länger bleiben können. Und da war es für uns folgerichtig, den nächsten Schritt mit der Mensa zu gehen. Und wir haben uns überlegt, dass das nur ein gutes Projekt werden kann, wenn das von Anfang an gut geplant und begleitet wird.”

Von Anfang an wurden deshalb unterschiedliche Interessensgruppen wie Schüler:innen, Eltern und Sorgeberechtigte, Lehrkräfte und Schulsozialpädagog:innen miteinbezogen. Um den passenden Caterer zu finden, wurde an anderen Schulen “Probe gegessen”. So wurde letztlich ein Anbieter gefunden, der den Anspruch an frisches Essen einlöst und eng mit der Schule zusammenarbeitet.

DKJS/ Katharina Zink

Klar war auch, dass für einen funktionierenden Mensabetrieb die Atmosphäre stimmen muss: Mit dem Bau der Mensa 2014/2015 wurde ein Ort geschaffen, an dem sich die Schüler:innen gerne aufhalten. “Zur Atmosphäre in der Mensa gibt es immer viel positives Feedback”, erzählt der Zehntklässler Erik. Die Räumlichkeiten sind großzügig, ein gutes Abluftsystem sorgt dafür, dass sich keine Essensgerüche festsetzen. Um den Lärmpegel gering zu halten, wurden alle Stuhlbeine mit Filz versorgt und ein Schallschutz eingebaut.

“Ich bin schon lange Vegetarierin und war voll dafür, dass es auch vegane Angebote gibt. Und auch dass das Essen insgesamt bewusster hergestellt wird und viele Bio-Produkte angeboten werden”

Lina
elfte Klasse

Dreh- und Angelpunkt Mensagruppe

Aus der Steuergruppe des Ganztags heraus wurde die Mensagruppe gegründet, die Dreh- und Angelpunkt für die Mittagsverpflegung am Hans Carossa-Gymnasium ist. Sie ist paritätisch besetzt, je zwei Vertreter:innen der Lehrkräfte, Schüler:innen, Eltern, Schulsozialpädagog:innen und der Servicekräfte tauschen sich hier zweimal pro Halbjahr aus und schieben Veränderungen an.

Die Qualität des Essens und die Auswahl der Gerichte ist immer wieder ein großes Thema. Zum Beispiel kam aus der Schülerschaft der Wunsch nach vegetarischen oder veganen Angeboten, die sich nicht auf Kaiserschmarrn und Pfannkuchen beschränken. “Ich bin schon lange Vegetarierin und war voll dafür, dass es auch vegane Angebote gibt. Und auch dass das Essen insgesamt bewusster hergestellt wird und viele Bio-Produkte angeboten werden”, erzählt die Elftklässlerin Lina, die in der Mensagruppe gemeinsam mit Erik die Interessen der rund 1100 Schüler:innen vertritt. Mittlerweile werden die drei Menüs zu etwa 50 Prozent aus Bio-Lebensmitteln zubereitet, ein Angebot ist immer vegetarisch oder vegan.

“Die Grundidee war, dass wir ein breites Essensangebot zusammenstellen und über die Zeit vermitteln, was gesundes Essen ist und was nicht. Und dazu gehören eben auch Tage, an denen es mal Kaiserschmarrn gibt oder eine Currywurst.”

Henning Rüßbult
Schulleiter

Breites Angebot in den Menüs

In der Mensagruppe werden die Anliegen der unterschiedlichen Akteure zusammengetragen und diskutiert. Gemeinsam setzen sich die Mitglieder damit auseinander, wie am „Hans Carossa“ mit den unterschiedlichen Erwartungen an die Schulverpflegung umgegangen wird. In einer Mensa treffen unterschiedliche Geschmäcker und Essensgewohnheiten aufeinander. Gleichzeitig gibt es vertragliche Vorgaben, die eine ausgewogene Ernährung und optimale Versorgung mit allen Nährstoffen sicherstellen sollen. “Es ist nicht immer einfach, die Wünsche der Schüler:innen zu erfüllen. Das ist etwas, was auch die Schülervertreter:innen in der Mensagruppe erst lernen mussten“, betont Corinna Lindenberg.

Das Gymnasium hat sich bewusst für ein Konzept entschieden, dass darauf abzielt, den Horizont der Schüler:innen zu erweitern: “Die Grundidee war, dass wir ein breites Essensangebot zusammenstellen und über die Zeit vermitteln, was gesundes Essen ist und was nicht. Und dazu gehören eben auch Tage, an denen es mal Kaiserschmarrn gibt oder eine Currywurst. Und ich glaube, dass wir über diesen Weg einen großen Erfolg hatten und dass Essen kennen gelernt wurde, das es vielleicht im Elternhaus nicht gibt”, erklärt Schulleiter Henning Rüßbult. “Kaiserschmarrn kannte ich so von zu Hause nicht”, ergänzt Lina. “Vollkornnudeln, Bratlinge oder Fisch in anderer Form als ein Fischstäbchen waren vielen auch nicht so vertraut”, erinnert sich Corinna Lindenberg.

DKJS/ Katharina Zink

Zwei Mittagsbänder

150 Plätze stellt die Mensa zur Verfügung. In zwei Mittagsbändern können so 300 Schülerinnen und Schüler zu Mittag essen. Von 11:30 Uhr bis 12:15 Uhr ist die Essenszeit für die Jahrgänge 5-7, von 12:15 Uhr bis 13.00 Uhr haben die Jahrgänge ab Klasse 8 Zugang.  “Die Mensa wird vor allem von den jüngeren Jahrgängen genutzt”, erzählt Lina. “In der Oberstufe verändern sich die Stundenpläne und die Schülerinnen und Schüler versorgen sich meistens selbst.” Derzeit nutzen etwa 210 Schüler:innen pro Tag das Angebot, in der Corona-Pandemie wurde die Auslastung etwas reduziert. Zu Spitzenzeiten waren es sogar 330 Esser pro Tag.

Um einen möglichst reibungslosen Ablauf zu ermöglichen, gibt es jeden Mittag eine Aufsicht und die Mensaregeln hängen für alle gut sichtbar aus. “Die Vereinbarungen haben wir gemeinsam in der Mensagruppe erarbeitet und diese Regeln werden zu Beginn des Schuljahres in allen Klassen noch einmal durchgesprochen”, erzählt Corinna Lindenberg. Zur breiten Akzeptanz der Mensa trägt auch das Online-Buchungssystem bei, über das die Schüler:innen bis 8 Uhr morgens ihr Essen für 4 Euro pro Menü buchen und abbestellen können. In der Mensa läuft die Essensausgabe reibungslos mit Chipkarten und einem Kartenlesegerät.

Höheres Energielevel bei den Schüler:innen

Im Schulalltag zeigen sich die Auswirkungen der gut organisierten Mittagsbänder jeden Tag. “Ich finde es wichtig, zur Ruhe zu kommen in so einer Mittagspause. Und danach haben die Schüler und Schülerinnen wieder Energie und können weitermachen. Wir merken ganz deutlich, dass die späten Stunden, also die 7., 8. und 9. Stunde, wesentlich besser klappen, seitdem wir das Mittagsband haben. Die Kinder und Jugendlichen haben ein viel höheres Energielevel als früher”, erzählt Henning Rußbült. Auf dem großzügigen Schulgelände gibt es einen großen Spielplatz und viel Platz, um eine echte Pause vom Unterricht zu machen.

“Das sehe ich auch so”, ergänzt Erik. “Ich gehe immer 15 Minuten essen und habe danach noch eine halbe Stunde Zeit, mich draußen zu bewegen und mich zu entspannen oder mich auf die nächste Stunde vorzubereiten. Und ich finde, das tut sehr gut. Erst recht, wenn man schon mehrere Stunden hinter sich hat.”

“Unsere Aufgabe als Schulleitung ist es, eine Infrastruktur zu schaffen, in der so ein Prozess laufen kann und dafür zu sorgen, dass die Vorteile des Projekts sichtbar werden. So funktioniert Schulentwicklung.”

Henning Rüßbult
Schulleiter

Breite Akzeptanz durch Partizipation und Kommunikation

Insgesamt stützt sich die Entwicklung und Verfeinerung des Mensakonzepts am Hans-Carossa-Gymnasium auf viel Partizipation, Transparenz und Kommunikation. Über die Mensagruppe werden alle Interessensgruppen eingebunden. Der Caterer stand auch schon an Elternabenden Rede und Antwort und ist direkt erreichbar. Ein Feedback-Briefkasten und eine Emailadresse für Fragen und Kritik sind immer verfügbar.

Durch die Umstellung auf den offenen Ganztag und das ganzheitliche Konzept für die Mensa und die Mittagsbänder, konnte der Unterrichtsalltag deutlich entlastet werden. Diesen Aspekt hervorzuheben, war für Schulleiter Rüßbult entscheidend, um möglichst viele Kolleg:innen und auch die Elternschaft ins Boot zu holen und für das Mensakonzept zu gewinnen: “Unsere Aufgabe als Schulleitung ist es, eine Infrastruktur zu schaffen, in der so ein Prozess laufen kann und dafür zu sorgen, dass die Vorteile des Projekts sichtbar werden. So funktioniert Schulentwicklung.”

Schulporträt veröffentlicht im Jahr 2022.

Details zum Hans-Carossa-Gymnasium

Schulform Gymnasium
offene / teilgebundene / gebundene Ganztagsschule Offene Ganztagsschule
Schüler:innen 1100
Lehrkräfte 120
Schulsozialpädagog:innen 7

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