Unterschiedliche Bedürfnisse als Herausforderung
„Wir probieren in dieser Phase einige Sachen aus”, betont auch Susann Henzel-Timmel. Eine Herausforderung stellt die Raumgestaltung dar. Es gibt wenige alternative Aufenthaltsorte zu den Klassenräumen, erzählt sie weiter. „Wir haben eher einen Mangel an Räumlichkeiten und durch den Denkmalschutz sind wir zusätzlich eingeschränkt. Da brauchen wir noch eine kreative Lösung.“ Die großen Sitzmöbel im Foyer sind ein Anfang. Sie und Frau Kimmel sind sich einig, dass sie mitten im Prozess sind und immer wieder mit den Schüler:innen abstimmen wollen, was letztlich das passendste Konzept für ihre Schule ist. „Im nächsten Jahr bekommen wir auch eine fünfte Klasse. Dazu laufen schon Überlegungen, wie man den Tag für diesen Jahrgang am besten rhythmisiert.”
Insgesamt ist die Umstellung an der Schule mit knapp 1100 Schüler:innen nicht ganz einfach: „Wir überlegen sehr konkret, wo die Schnittmengen sind und wie wir den Ganztag in den Schulalltag hineinbekommen. Aber die Rhythmisierung ist aktuell eine enorme Umstellung des Tagesablaufs. Sowohl die Schüler:innen als auch die Lehrer:innen müssen sich erst einmal daran gewöhnen.“ Von ganz radikalen Veränderungen haben sie deshalb in diesem Schritt abgesehen. Zum Beispiel gibt es auf Wunsch der Schüler:innen kein Mittagsband – in einer Umfrage und in einer offenen Projektgruppensitzung hatte sich eine Mehrheit dagegen ausgesprochen. „Die Schüler:innen wollten das nicht, weil sie nachmittags ihre Freizeitangebote haben und nicht länger in der Schule bleiben wollen“, erklärt Frau Kimmel. „Bei diesen ganz unterschiedlichen Bedürfnissen, da eine gute Balance zu finden, das ist definitiv eine Herausforderung. Ich glaube, manches müssen wir einfach länger ausprobieren, um zu sehen, was funktioniert – und was nicht.“
Ideen entwickeln, mit allen Beteiligten sprechen, ausprobieren, nachsteuern – und wieder von vorne. Die Ganztagsschulentwicklung nimmt am Carl-von-Ossietzky-Gymnasium immer mehr Fahrt auf und bindet immer mehr Akteure ein. Und so zeigen die modernen Sitzmöbel im denkmalgeschützten Foyer auch, wo es für das Gymnasium hingehen kann. Greifen Schultradition, selbstbestimmtes Lernen und die Flexibilität der Ganztagsschule ineinander, wird der humanistische Anspruch umso mehr eingelöst: Die Schüler:innen erfahren eine ganzheitliche Bildung und lernen, sich selbstständig und eigenverantwortlich im gesellschaftlichen Leben einzubringen.
Schulporträt veröffentlicht im Jahr 2024.