Fichtelgebirge-Grundschule

„Der Geräuschpegel ist unsere größte Herausforderung“

DKJS/ Kathleen Fietz

Schon seit einigen Jahren ist der Schultag an der Fichtelgebirge-Grundschule rhythmisiert und die Schülerinnen und Schüler machen mittags versetzt große Pause. Diese Zeitstruktur kam dem Kollegium bei der Einführung des beitragsfreien Mittagessens sehr zugute. Was sich mit dem Gesetz geändert hat: Für die Erst- bis Drittklässler wird das Mittagessen an manchen Tagen zum Teil des Unterrichts.

Ein Schulporträt von Kathleen Fietz

Wenn man sich während der Mittagpause in der Mensa der Fichtelgebirge-Grundschule von dem lauten Geschirrklappern und aufgeregten Kinderstimmen nicht zu sehr ablenken lässt und Muße für einen genaueren Blick findet, fallen einem kleine Details ins Auge: Zerschnittene Tennisbälle sind unten über die Enden der Stuhlbeine gestülpt. Es gibt einen Tisch mit einem großen, roten Punkt, an dem weniger Kinder als an den anderen vollbesetzten Tischen sitzen. Am Fenster steht eine Wunschbox für das Essen und oben an der Decke fallen bunte Lichter auf.

Gute Startbedingungen durch Rhythmisierung

Zu all diesen Details gibt es eine Geschichte, die die Schulleiterin Dorothea Mandera-Meyer gemeinsam mit ihrem Kollegen Andreas Goede, dem stellvertretenden Leiter der ergänzenden Förderung und Betreuung des freien Trägers Pestalozzi-Fröbel-Haus, später in Ruhe im Schulbüro erzählen. Was im Gespräch schnell klar wird: Da die Schule schon seit mehreren Jahren einen rhythmisierten Schultag hat und auch vor dem neuen Gesetz bereits mehr als 80 Prozent der Kinder an der Schule Mittag gegessen haben, hat sich mit der Einführung des elternkostenbeteiligungsfreien Mittagessens gar nicht so viel verändert.

„Natürlich war es auch für uns eine logistische Herausforderung, das so schnell und vor allem ohne zusätzliche Stunden für die Erzieher umzusetzen. Aber die Rhythmisierung der Pausen hatten wir schon vorher. Das hatten die Schüler mit uns ausgehandelt, damit in der großen Pause alle ausreichend Platz auf dem Sportplatz haben, um Fußball zu spielen und sich die Kleinen und Großen nicht ständig um die Tore streiten müssen. Das kam uns sehr zugute“, erklärt Dorothea Mandera-Meyer.

„Laut Schulgesetz sind ja Erzieherinnen und Erzieher für die Essensbetreuung zuständig. Hier an der Fichtelgebirge-Grundschule gibt es das Außergewöhnliche, dass die Schulleitung beschlossen hat, einen Teil der fünften Stunde dazu zu verwenden, dass das Essen von Lehrkräften begleitet wird.“

Andreas Goede
stellvertretender Leiter der eFöB des freien Trägers Pestalozzi-Fröbel-Haus

Mittagessen als Teil des Unterrichts

Was sich jedoch nun geändert hat, erklärt Andreas Goede: „Laut Schulgesetz sind ja Erzieherinnen und Erzieher für die Essensbetreuung zuständig. Hier an der Fichtelgebirge-Grundschule gibt es das Außergewöhnliche, dass die Schulleitung beschlossen hat, einen Teil der fünften Stunde dazu zu verwenden, dass das Essen von Lehrkräften begleitet wird.“ Diese Regelung führt dazu, dass das Mittagessen für alle JüL-Kinder – also die Erst- bis Drittklässler, die gemeinsam jahrgangsübergreifend lernen – an zwei Tagen in der Woche Teil des Unterrichts ist. An diesen Tagen gehen die Schülerinnen und Schüler in der letzten Viertelstunde der fünften Stunde essen. Die Zeit wird aus den Stundenkontingenten für Sachkunde oder soziales Lernen gewonnen. Für die Kinder bedeutet es, dass es beim Essen um viel mehr geht als darum, satt zu werden. Tischkultur und Regeln beim Essen werden gelernt, aber auch Sprachförderung, soziales Lernen und Ernährungslehre spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Essensaufsicht an der Fichtelgebirge-Grundschule liegt zwar immer noch hauptsächlich in der Verantwortung der pädagogischen Fachkräfte, wird aber während des Unterrichts gegessen, übernehmen die Lehrkräfte diese Aufgabe.

Damit sieht der Mittagsessensplan an der Grundschule so aus: In der Mensa finden etwa 80 Kinder Platz. Zuerst essen drei JüL-Klassen in ihrer fünften Stunde und gehen danach in die große Hofpause. Danach sind die restlichen sechs JüL-Klassen dran; während ihrer großen Pause in zwei Schichten jeweils 20 Minuten. Wer gerade nicht isst, hat Hofpause. Wenn für die Erst- bis Drittklässler die sechste Stunde beginnt, haben die Klassen 4 bis 6 eine große Pause, in der ebenfalls in zwei Schichten gegessen wird. Nach der großen Pause gibt es die letzte Essensschicht. Die nutzen zumeist Viertklässler, für die dann schon Unterrichtsschluss ist. Somit verlängert sich der Schultag nur für jene Kinder, die nach dem Unterrichtsschluss noch essen, für alle anderen nicht.

DKJS/ Kathleen Fietz

In der Mensa macht allen der Lärm zu schaffen

Neben der logistischen Herausforderung des komplexen Zeitplans an der Schule, verlangt vor allem die Akustik in der Mensa der gesamten Schule eine Menge ab. „Es ist unglaublich laut, für die Kinder, aber auch für das Küchen- und Aufsichtspersonal“, erklärt Dorothea Mandera-Meyer. Trotz bereits umgesetzter Schallschutzmaßnahmen und der Tennisbälle an den Stuhlbeinen gegen das laute Scharren der Stühle ist es immer noch sehr laut. Alle, die an der Fichtelgebirge-Grundschule lernen und arbeiten, bringen deshalb Ideen für die bessere Gestaltung der Essenszeiten ein. Und auch die Kulturagenten für kreative Schulen nehmen sich in diesem Schuljahr des Lärmproblems an. Die Grundschule nimmt schon seit einigen Jahren an dem Programm teil, das bei Kindern und Jugendlichen Neugier für künstlerische Aktivitäten wecken und mehr Kenntnisse über Kunst und Kultur vermitteln will.

In jeweils einer Projektwoche entwickelt immer eine Klasse eine Idee, wie dem Geräuschpegel kreativ begegnet werden könnte. Die Kinder wissen schließlich am besten, was sie für ein entspanntes Mittagessen brauchen. Zu den ersten Ideen gehören: Jemand liest beim Essen etwas vor oder es gibt Stellwände zwischen den Tischen. Es liegen große Papiertischdecken und Stifte auf den Tischen, mit denen beim Essen etwas gemalt oder geschrieben werden kann. Mit einem Beleuchter wird eine bunte, gedämmte, entspannte Lichtatmosphäre geschaffen. Eine fünfte Klasse hat vorgeschlagen, mit Holzstäbchen statt Besteck zu essen, da diese leiser sind. Alle Ideen werden eine Woche lang von allen Kindern beim Essen getestet. Am Ende des Schuljahres voten alle Kinder und das Kollegium überprüft, welche Ideen tatsächlich umsetzbar sind.

Ideen zur Selbsthilfe sind immer wieder gefragt

„Wir waren nicht hellauf begeistert von dem neuen Gesetz, denn mit den Herausforderungen, die es mit sich bringt, wurden wir allein gelassen. Grundsätzlich finde ich es aber gut, dass alle Kinder die Chance auf ein warmes Essen haben. Obwohl sich unser Kiez stark verändert hat, gibt es hier auch Kinder, die sonst kein Mittagessen kriegen würden. Also müssen wir Lösungen finden, und wir sind gut darin, neue Ideen auszupuzzeln“, erklärt die Schulleiterin. Auch der Tisch mit dem großen roten Punkt in der Nähe des Mensaeingangs ist so eine Idee, die nach der Einführung des beitragsfreien Mittagessens nachgesteuert wurde. „Der Tisch ist ein Kompromiss für Kinder, die ausnahmsweise einmal außerhalb der für sie vorgegebenen Zeit essen wollen. Wir müssen natürlich jetzt mit mehr Essern noch viel strenger darauf achten, dass sich alle an die vorgeschriebenen Zeiten halten“, erklärt Andreas Goede. Trotzdem standen immer wieder Kinder in der Tür, die schon vorher Hunger hatten oder lieber mit einem Freund aus einer anderen Klasse essen wollten. Die dürfen nun an diesem Tisch Platz nehmen, was sich sehr bewährt – wie vielleicht auch in Zukunft einige der Vorschläge der Schülerinnen und Schülern aus dem „Kulturagenten“-Projekt für ein leiseres, entspanntes Essen für alle.

Schulporträt veröffentlicht im Jahr 2020.

Details zur Fichtelgebirge-Grundschule

Schulform Grundschule
offene / teilgebundene / gebundene Ganztagsschule Offene Ganztagsschule
Schüler:innen ca. 430
Schülerinnen und Schüler, die das Mittagessen nutzen ca. 410 (vor der Einführung des Gesetzes: 350)
Anzahl der Mensa-Plätze
ca. 80
Anzahl von Essen, die täglich zur Auswahl stehen
zwei Essen zur Auswahl;
Schüsselessen und Salatbuffet
Zeittakt des Unterrichts 40 Minuten
Unterrichtsbeginn 8 Uhr
Pausenzeiten
10.10-10.40 Uhr: 1. große Pause alle Klassen
12.05-12.50 Uhr: 2. große Pause JüL-Klassen
12.50-13.30 Uhr: 3. große Pause Klassen 4-6
Mittagessen
11.45-12.05 Uhr: drei JüL-Klassen innerhalb der 5. Unterrichtsstunde*
12.05-12.25 Uhr: drei JüL-Klassen
12.25-12.45 Uhr: drei JüL-Klassen
12.50-13.10 Uhr: drei Klassen 4-6
13.10 -13.30 Uhr: drei Klassen 4-6
13.30-14 Uhr: drei vierte Klassen
* Die Essenszeiten der Klassen sind jeden Tag unterschiedlich.

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