Grundschule am Windmühlenberg

„Wir haben lange keine Lösung gesehen, aber jetzt klappt es wirklich gut.“

DKJS/ Kathleen Fietz

Der Weg, das beitragsfreie Mittagessen in der Grundschule am Windmühlenberg einzuführen, war ein sehr beschwerlicher. Umso glücklicher ist das Kollegium rund um die Schulleiterin heute, dass sie eine Lösung gefunden haben, mit der alle, die an der Schule lernen und arbeiten, gleichermaßen zufrieden sind.

Ein Schulporträt von Kathleen Fietz

Wenn man Susanne Schäfer zum ersten Mal im Schulflur begegnet – an einem Tag, an dem sie wegen hohem Krankenstand mehrere Kolleginnen im Unterricht vertreten muss und sich trotzdem Zeit für ein Gespräch über die schwierige Einführung des elternkostenbeteiligungsfreien Mittagessens nimmt –, ahnt man, dass die resolute Schulleiterin so schnell nichts erschüttern kann. „Ich bin seit 30 Jahren im Schuldienst und stehe immer auf dem Standpunkt: Alles lässt sich regeln. Aber als das Gesetz durch war, habe ich ganz lange überhaupt keinen Weg gesehen und hatte wirklich viele schlaflose Nächte“, erzählt die Schulleiterin der Grundschule am Windmühlenberg in Gatow.

„Wir sind zweizügig, haben aber nur Platz für anderthalb Züge. Wir platzen aus allen Nähten. Wo im Himmels Willen soll hier auch noch gegessen werden, habe ich damals gedacht“

Susanne Schäfer
Schulleiterin

Die Umsetzung schien anfangs unmöglich

Sogleich gibt sie eine Führung durch ihre Grundschule, die in einem ehemaligen Lazarett untergebracht ist. Sie zeigt kleine Unterrichtsräume, in denen bis zu 27 Schülerinnen und Schüler untergebracht sind, einen schmalen Raum, in dem die Kinder im Rahmen der verlässlichen Halbtagsschule außerhalb des Unterrichts betreut werden. „Wir sind zweizügig, haben aber nur Platz für anderthalb Züge. Wir platzen aus allen Nähten. Wo im Himmels Willen soll hier auch noch gegessen werden, habe ich damals gedacht“, erklärt sie. Durch die engen Flure würde gerade so ein Essenswagen passen, aber dann ließen sich die Türen zu den Unterrichtsräumen nicht mehr öffnen. Schüsselessen in den Unterrichtsräumen, wie vom Schulträger angedacht, wäre einfach nicht möglich gewesen, schon allein aus hygienischen Gründen. Und auch die Essensaufsichten hätten die Lehrkräfte nicht stemmen können. Als die Schulaufsicht und der Schulträger die Schulen nach einem Ampelsystem in rote, grüne und gelbe einteilte, schnitt die Grundschule mit einem klaren Rot ab – die Umsetzung des beitragsfreien Mittagessens sei dort fast ausgeschlossen.

Die besondere Situation an der Gatower Schule: Von den etwa 300 Schülerinnen und Schülern wurden vor der Einführung des Gesetzes 170 nachmittags im Hort betreut. Diese Kinder essen dort auch zu Mittag. Doch Schule und Hort liegen einen zehnminütigen Fußweg voneinander entfernt. Und auch im Gebäude des Hortes „Havel-Kids“ gibt es keine Mensa. Die Kinder essen versetzt in zwei Räumen, je nachdem, wann sie Unterrichtsende haben. Es wäre unmöglich gewesen, dort auch noch die etwa hundert neuen essenden Kinder der Schule zu verköstigen – zeitlich wegen der Entfernung und auch räumlich hätten die beiden Essensräume der „Havel-Kids“ niemals ausgereicht. „Wir wollten auch das Mittagessen im Hort so beibehalten, weil das gut klappte und wir da jetzt nicht auch noch zusätzliches Chaos reinbringen wollten“, erzählt Susanne Schäfer.

DKJS/ Kathleen Fietz

Ein neues Mittagsband für alle Klassen

Nach vielen Begehungen und durchgespielten Varianten, wie es irgendwie gehen könnte, hatte Susanne Schäfer dann kurz vor den Ferien eine Idee: Sie beantragte beim Schulträger eine sogenannte Doppelfinanzierung für zwei Standorte. Das bedeutet, im Hort würde alles so bleiben wie gehabt und die Schulkinder, die den Hort nicht besuchen, und nun zusätzlich zum Mittagessen angemeldet wurden, würden in einem Außengebäude auf dem Schulgelände essen, das bisher für die Betreuung im Rahmen der verlässlichen Halbtagsschule genutzt wurde. Diese Betreuung findet nun stattdessen in einem sehr kleinen Raum statt, aber diesen Preis war das ganze Team bereit zu zahlen – genau wie es den 25 Minuten längeren Arbeitstag in Kauf nimmt.

Das Kollegium entschied, eine der frühen Hofpausen zu streichen und dafür ein 50-minütiges Mittagsband einzuführen – doppelt so lange wie die frühere Mittags-Hofpause. Zuerst essen nun die Klassen 1 bis 3 etwa 25 Minuten und die Viert- bis Sechstklässler machen Hofpause auf dem großzügigen Außengelände. Danach wird getauscht. Zudem werden in dieser Zeit verschiedene Musik- und Sport-AGs angeboten wie Flöte, Ukulele, Basketball oder Hockey. „Das Gesetz hat natürlich seine Berechtigung, aber ich hätte mir eine Übergangsfrist gewünscht und nicht so eine Hauruckaktion“, resümiert die Schulleiterin.

Die enge Zusammenarbeit des Kollegiums ist ein großer Gewinn

Heute stehen Pastinakenbratlinge mit Kartoffeln oder Manti mit Tomatensauce zur Auswahl. An der Essenausgabe stehen zehn Kinder an, zwei bedienen sich selbst am Salatbuffet. Insgesamt 60 Kinder finden auf den blauen Stühlen in dem umgebauten Essensraum Platz. Eine Erzieherin und ein Erzieher haben gemeinsam Aufsicht, auf dem Außengelände sind zwei Lehrkräfte für die Hofaufsicht verantwortlich. „Ein wirklicher Gewinn durch das Gesetz ist die gute und nun engere Zusammenarbeit zwischen Erziehern und Lehrkräften. Wir haben das wirklich gemeinsam gestemmt“, sagt Susanne Schäfer. Die koordinierende Erzieherin Jana Jäschke kann das nur bestätigen: „Wir müssen uns jetzt auch viel mehr abstimmen, da sich durch das Mittagessen an der Schule auch die Betreuungszeiten für die verlässliche Halbtagsschule geändert haben und wir uns in Krankheitsfällen auch öfter gegenseitig vertreten“, erklärt sie weiter. Ein Nachteil des Gesetzes aus ihrer Sicht: Da es nun auch in der Schule Mittagessen gibt, wurden 40 Kinder aus dem Hort abgemeldet.
„Wir sind inzwischen wirklich zufrieden damit, wie es läuft. Und die Kinder lieben die neue, große Pause“, resümiert Susanne Schäfer. Ihr großer Wunsch für die Zukunft: Eine richtige Mensa und einen Schulanbau. „Ich denke, dieses Gesetz ist ein großer Schritt in Richtung flächendeckende Einführung der gebundenen Ganztagsschule, und dafür brauchen wir dringend andere Räume. Die sind auch geplant, aber das geht natürlich nicht von heute auf morgen.“

Veröffentlicht im Jahr 2020

Details zur Grundschule am Windmühlenberg

Schulform Grundschule
Ganztagsform offene Ganztagsschule
Schülerinnen und Schüler gesamt ca. 300

ca. 300  

Schülerinnen und Schüler,
die das Mittagessen nutzen
gesamt: 260

davon: 130
in der EFöB (vor dem Schuljahr2019/20: 170)
130 in der Schule (vor dem Schuljahr2019/20: 0)
Anzahl der Mensa-Plätze 60
Anzahl von Essen, die täglich zur Auswahl stehen zwei Essen zur Auswahl an der Essenausgabe plus Salatbuffet
Zeittakt des Unterrichts 45 Minuten
Unterrichtsbeginn 08:00 Uhr
Pausenzeiten 09:35-09:55 Uhr 1. Hofpause

11:30-11:55 Uhr 2. Hofpause (Klassen 4-6) 
11:55-12:20 Uhr 2. Hofpause (Klassen 1-3)
Mittagessen in der Schule:

11:30-11:55 Uhr (Klassen 1-3)

11:55-12:20 Uhr (Klassen 4-6)
In der EFöB:
zwischen 12:40 und 15:00 Uhr (individuell nach Unterrichtsende)

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