Hermann-Hesse-Gymnasium

„Das kann man an jeder Schule übernehmen“

DKJS/ Marko Northe

Innerhalb eines Jahrzehnts von einer baufälligen Problemschule zu einer Vorzeigebildungsstätte, mit der sich Schüler:innen, Lehrer:innen und Eltern leidenschaftlich identifizieren: Das Hermann-Hesse-Gymnasium in Berlin-Kreuzberg ist beispielhaft dafür, was partizipative Praxis und Engagement bewirken können.

Ein Schulporträt von Marko Northe

Die Aula des Hermann-Hesse-Gymnasiums (HHG) in Berlin-Kreuzberg wirkt fast wie ein Ballsaal: Rote Vorhänge vor den hohen Sprossenfenstern, stilvolle Beleuchtung und Stuck an Decke und Wänden, die frisch gestrichen zu sein scheinen. Schulleiterin Sylke Roschke steht vor der Bühne und macht gleich zu Anfang klar, dass es hier nicht immer so schön ausgesehen hat: „Als ich 2012 hier anfing, war diese Schule grottig. Das Gebäude stank. Es gab nicht mal einen Hausmeister. Wir haben also alles aus einem großen Leidensdruck heraus verändert.“

Schon damals war das HHG eine gebundene Ganztagsschule. Doch nur dem Namen nach: „Eigentlich wusste keiner, was man nach der letzten Unterrichtsstunde machen sollte“, so Roschke. „Wir brauchten Unterstützung von Sozialpädagog:innen, die wir in Kooperation mit dem Träger Jugendwohnen im Kiez e.V. erhielten.“ Gemeinsam mit den Sozialpädagog:innen habe sich das Kollegium zusammengesetzt und überlegt: Wie wollen wir den Ganztag strukturieren?

Die Schüler:innen helfen bereitwillig mit

Ein Jahrzehnt später sind Roschke und ihr leitender Sozialpädagoge Mark Schiffner diejenigen, die Lehrkräften anderer weiterführender Schulen zeigen können, wie ein vorbildliches gebundenes Ganztagsgymnasium aussieht. An diesem Donnerstag Ende September sind insgesamt 25 Lehrer:innen, Schulleiter:innen, Sozialpädagog:innen und Erzieher:innen gekommen, um sich auf der gemeinsam mit der Serviceagentur Ganztag Berlin organisierten Veranstaltung „Systematische Partizipation am Hermann-Hesse-Gymnasium“ von Roschke und ihren Mitstreiter:innen informieren und durch das Schulgebäude führen zu lassen. Durch Mikrohospitationen erhalten die Gäste dabei Einblicke in verschiedene Stationen wie dem Schulclub, den Klassenrat im Pavillon oder die Mensa.

Noch bevor die Veranstaltung begonnen hat, bekommen die Teilnehmer:innen einen Eindruck davon, was Partizipation am HHG bedeutet: Vor dem Eingang und an weiteren Stationen stehen jeweils zwei Schüler:innen, die T-Shirts mit dem Aufdruck „Ich helfe gern“ tragen. Freundlich weisen sie den Gästen den Weg zur Aula.

„Die Schüler:innen waren alle ganz scharf auf diesen Job, es wollten viel mehr mitmachen als wir brauchten. Diese T-Shirts gelten bei uns als Auszeichnung“, sagt Roschke. Dann lächelt sie verschmitzt: „Natürlich ist es für die Lotsen auch ein Anreiz, dass sie vom Unterricht befreit sind.“

„Wir wollen, dass sich die Kinder an ihrer Schule wohlfühlen, dass sie sie mitgestalten, mehr noch: dass sie sich für sie einsetzen und sie verteidigen“

Sylke Roschke
Schulleiterin

Aufwändig saniert

Wer heute das HHG besichtigt, kann sich kaum vorstellen, dass es einmal schlimm um die Schule stand. Das 1890-92 erbaute und denkmalgeschützte Backsteingebäude wurde von 2017 bis 2019 aufwändig saniert. Auch drei Jahre später sieht es überall aus wie frisch renoviert. Die Holzbänke in den Fluren, Türen und Wände sind sauber und frei von jeglichen Kritzeleien oder Beschmierungen.

Wie kommt es, dass die Schüler:innen so pfleglich mit dem Schulgebäude umgehen? Dass es vollkommen frei von Vandalismus ist? Roschke hat darauf eine klare Antwort: Partizipation und Identifikation. „Wir wollen, dass sich die Kinder an ihrer Schule wohlfühlen, dass sie sie mitgestalten, mehr noch: dass sie sich für sie einsetzen und sie verteidigen“, sagt die Schulleiterin.

DKJS/ Marko Northe

Wertschätzungsveranstaltung und Bilanzgespräche

Um diese Identifikation mit der Schule zu stiften, haben Roschke und ihre Pädagog:innen diverse Maßnahmen eingeführt. Zentrales Element sind die Wertschätzungsveranstaltungen zum Halbjahr und am Ende des Schuljahrs in der Aula. Auf dieser werden Schüler:innen für besondere Leistungen ausgezeichnet. Dabei geht es aber nicht nur darum, wer die besten Noten hat. Eine Urkunde erhalten auch die, die die größten Leistungssprünge gemacht haben.

„Die bekommen dann einen tosenden Applaus von der ganzen Schülerschaft“, so Roschke. „Wir hatten einen Schüler, der sich vom Halbjahr zum Endjahr in fünf Fächern verbessert hat. Als er die Urkunde bekam, konnte er es kaum glauben. Später hat er sein Abi mit einer Eins vor dem Komma gemacht. Er hat mir danach gesagt: Die Auszeichnung sei für ihn der Moment gewesen, in dem ihm klargeworden war, dass er einen guten Abschluss schaffen kann und auch will.“ Die Urkunden werden von Roschke selbst ausgehändigt. „Das muss selbstverständlich die Schulleiterin machen, für das Gefühl der größtmöglichen Wertschätzung.“

Eine Urkunde erhalten auch Kinder, die sich sozial engagiert haben. Diese werden von ihren Mitschüler:innen nominiert. Schüler, die die Schule besonders gut nach außen vertreten haben, zum Beispiel im DELF-Programm oder der MINT-Initiative, werden bei den Wertschätzungsveranstaltungen ebenfalls berücksichtigt. Genauso wie die Lotsen mit den „Ich helfe gern“-T-Shirts oder beispielsweise Mediatoren.

„Uns ist wichtig, dass vor allem die Kinder in den Bilanzgesprächen berichten und ihr Verhalten analysieren. Sie sprechen hier auf Augenhöhe mit den Eltern und der Lehrkraft“

Sylke Roschke
Schulleiterin

„Jeder will ausgezeichnet werden“, erzählt Roschke. Nicht nur, weil es schön gestaltete Urkunden und Anerkennung gibt, sondern auch T-Shirts und Kapuzenpullover – natürlich mit aufgedrucktem HHG-Emblem. Sie können nicht käuflich erworben werden, sondern sind die höchste Auszeichnung der Wertschätzungsveranstaltung, die besonders engagierte Schüler:innen erhalten.

„Es gibt Progressionsstufen im Tadeln und Bestrafen. Warum nicht auch mal in positiver Richtung, wenn es um Lob und Anerkennung geht?“, fragt Roschke. „Das kann man an jeder Schule übernehmen.“

Eine Idee, die unter den Gästen aber auch auf kritisches Feedback stößt. So merkt eine Lehrerin an: „Ich war als Schülerin eher schüchtern und passiv. Ich bin mir sicher, dass ich mir gewünscht hätte, ebenfalls ausgezeichnet zu werden, aber mit Sicherheit nie ausgezeichnet worden wäre. Bei mir hätte die Wertschätzungsveranstaltung Frustration und Druck ausgelöst.“ Roschke nimmt die Kritik gerne an: „Das ist ein guter Punkt, über den wir gerne noch einmal nachdenken.“

Um auch die Eltern besser einzubinden, gibt es in jedem Schulhalbjahr Bilanzgespräche. Daran nehmen Schüler:innen, Eltern und eine Lehrkraft teil. Gemeinsam wird das individuelle Lernverhalten, aber auch das soziale Verhalten und das Engagement des Kindes reflektiert. „Uns ist wichtig, dass vor allem die Kinder in den Bilanzgesprächen berichten und ihr Verhalten analysieren. Sie sprechen hier auf Augenhöhe mit den Eltern und der Lehrkraft“, so Roschke.

DKJS/ Marko Northe

Im Klassenrat haben Schüler:innen das Sagen

Gespräche auf Augenhöhe mit den Pädagog:innen gibt es auch im Klassenrat, ein zentrales Element der Demokratiebildung am HHG. Ab der siebten Klasse tagt er einmal wöchentlich für eine Stunde und zwar nicht im Klassenraum, sondern im Pavillon auf dem Schulhof. In der Regel ist eine Sozialpädagogin oder ein Sozialpädagoge und eine Lehrkraft dabei. Nur am Anfang übernehmen die Erwachsenen das Kommando: Sie stellen am Anfang der siebten Klasse mit den Schüler:innen einen Regel- und Sanktionskatalog auf und gestalten den Gesprächsrahmen, so lange, bis die Schüler:innen sich selbst in der Lage fühlen, die Sitzungen zu leiten. Danach liegt der Klassenrat in der Hand der Kinder und Jugendlichen. Jede:r, auch die Pädagog:innen, dürfen nur sprechen, wenn ihnen das Wort erteilt wird. Sämtliche Probleme können besprochen werden – auch wenn es eines mit einer Lehrkraft gibt.

Der Klassenrat tagt nicht im Klassenraum, sondern im Pavillon auf dem Schulhof, in dem die Schüler:innen in den Pausen Spielgeräte ausleihen können. Dort ist ein Stuhlkreis in U-Form aufgebaut. So lernen die Schüler:innen schon früh das Prinzip demokratischer Teilhabe. Im Klassenrat werden auch die Klassensprecher:innen gewählt. Ebenso wie die Rolle der Schülersprecher:innen ist das ein begehrter Posten.

Demokratische Teilhabe: Wahlkämpfe und Arbeitsgemeinschaften (AGs)

Um das Amt der Schülersprecher:innen – immer ein Team von zwei Personen – können sich die Schüler:innen am Ende des Schuljahrs bewerben. „Im letzten Jahr waren es vier Teams aus der neunten und zehnten Klasse und aus der Oberstufe“, erzählt Sozialpädagoge Schiffner. „Es gibt dann einen richtigen Wahlkampf. Wahlplakate werden von den Teams erstellt und aufgehängt. Im Hof bekommen die Teams jeweils einen Tisch, an den sie sich stellen und um die Stimmen der Mitschüler:innen werben können. Da ist dann immer ein ganzer Pulk davor.“

Zu Beginn des Schuljahrs findet ein GSV-Projekttag (Gesamtschüler:innenvertretung) statt, an dem Klassen- und Schülersprecher:innen über das, was gut läuft und das, was im Schulalltag verbessert werden kann, sprechen. Am Projekttag werden dann zu den wichtigen Themen AGs gegründet, an denen alle Schüler:innen teilnehmen können. Die GSV kann Anträge in der Schulkonferenz einreichen. Die Schulkonferenz stimmt dann darüber ab. „Derzeit gibt es AGs, die sich um die Erneuerung des Schulhofs, die Planung eines Sportturniers und eines Frühlingsballs kümmern, aber auch um Themen wie die Mensa, die Hausordnung und die Digitalisierung“, sagt Schiffner.

„Lehrkräfte und Schüler:innen benutzen die gleichen Toiletten. Seitdem gibt es deutlich weniger Probleme mehr mit der Sauberkeit.“

Sylke Roschke
Schulleiterin

Verantwortung übernehmen: Patenschaften und Ordnungsdienste

Ein anderes Angebot, das Teilhabe und Verantwortung vermittelt, sind die Patenschaften: Schüler:innen der achten Klasse unterstützen dabei neue Kinder der siebten Klasse. In der Regel kümmert sich ein/e Pat:in um zwei Siebtklässler:innen, ein sehr guter Schnitt. Am ersten Schultag führen die Pat:innen ihre Schützlinge durchs Gebäude und zeigen ihnen alle wichtigen Anlaufstellen. Acht Wochen später wird ein zweites reguläres Treffen durchgeführt. In der Zeit dazwischen können die neuen Schüler:innen jederzeit auf ihre Pat:innen zukommen, wenn sie Fragen oder Probleme haben.

„Natürlich gibt es auch Anreize für die Pat:innen“, sagt Roschke. „Sie erhalten einen wertschätzenden Zeugnisvermerk und sind von unserem ‚Beauty Day‘ befreit, an dem die Schüler:innen mithelfen, die Schule aufzuräumen und zu reinigen.“ Ordnung und Sauberkeit, diese Tugenden hat Roschke am HHG sehr erfolgreich wieder eingeführt. Auch die Toiletten sind blitzblank, es gibt Papierhandtücher, Seife und Toilettenpapier – leider keine Selbstverständlichkeit an Berliner Schulen.

„Lehrkräfte und Schüler:innen benutzen die gleichen Toiletten. Seitdem gibt es deutlich weniger Probleme mehr mit der Sauberkeit.“ Pro Woche hat darüber hinaus immer eine Klasse Ordnungsdienst. Dazu gehört der Hofdienst, der Mensadienst und der sogenannte „Lavetodienst“. „Das klingt schöner als Toilettendienst“, sagt Roschke und lacht. „Die Schüler:innen der jeweiligen Klasse sind in dieser Woche dafür zuständig, alles ordentlich zu halten. Klar, da geht’s nur um die Grobreinigung. Aber wenn sie das nicht machen, müssen sie in der nächsten Woche wieder den Dienst übernehmen.“ Beim Lavetodienst müssen die Schüler:innen natürlich nicht die Toiletten schrubben, sondern gehen durch die Waschräume und prüfen anhand einer Checkliste, ob Sachen fehlen oder es größere Probleme wie verstopfte Toiletten gibt. Der Hausmeister kann anhand der Liste schneller auf Probleme reagieren.

Am HHG sind Regeln und Werte klar definiert. „Uns ist wichtig, dass die Schüler*innen Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Sollten sie sich nicht an die Regeln halten, haben sie mit Konsequenzen zu rechnen. Dazu gehört nicht nur, dass man nicht randaliert und das Gebäude sauber hält, sondern auch dass wir uns am HHG nicht anlügen“, so Roschke.

Auch die Benutzung von Mobiltelefonen ist verständlich geregelt: „Im Hauptgebäude dürfen Handys nicht einmal zu sehen sein. Und auf dem gesamten Gelände dürfen keine Fotos oder Videos gemacht werden“, so Roschke. „Wer sich nicht daran hält, muss das Handy abgeben. Es wird dann in einem Tresor verwahrt. Die Eltern können entscheiden, ob sie es abholen oder ob es am nächsten Tag zurückgegeben wird.“

DKJS/ Marko Northe

Hausaufgaben wurden abgeschafft

Dass die Schüler:innen sich zumeist an die Regeln halten und bereitwillig dabei mithelfen, die Schule ordentlich zu halten, hat auch viel mit der guten Ausstattung zu tun. Die Mensa mit einem vielfältigen und gutem Essensangebot ist im Souterrain des Hauptgebäudes untergebracht, wirkt aber dennoch freundlich und hell. Das Backsteingemäuer ist weiß gestrichen und auf den Tischen stehen Blumen. Hier fühlt man sich eher wie in einem gemütlichen Café als wie in einer Schulmensa. Auch die Sitzgelegenheiten auf der Terrasse werden von den Schüler:innen das ganze Jahr über gerne genutzt. Deswegen ist derzeit ein Regenschutz in Planung.

Die Mediathek ist gut sortiert. Es gibt PC-Arbeitsplätze und viele Tische, um daran in Gruppen zu arbeiten. „Es ist wie in der Bibliothek einer Universität. Und so soll ein Gymnasium ja auch sein, eine kleine Uni“, sagt Roschke. „Die Schüler:innen kommen teilweise in den Pausen hierher, um zu lernen, ganz intrinsisch, ohne dass es von ihnen erwartet wird. Es gab sogar einen Antrag der GSV, die Mediathek bis um 17 Uhr offen zu halten. Wir konnten das kaum glauben, aber wir haben das natürlich gemacht.“

Ein Grund dafür: Das HHG hat die Hausaufgaben abgeschafft. Als gebundene Ganztagsschule will man, dass die Schüler:innen nicht noch zu Hause nacharbeiten müssen. „Wer den Stoff nicht in der Schule packt, der packt ihn auch nicht zu Hause“, sagt Roschke. Stattdessen gibt es feste Stunden, in denen an den Schulaufgaben gearbeitet werden kann, die sogenannte Selbstlernzeit in der Mediathek. Hier ist Raum und Zeit für individuelles Lernen.

Und es gibt die Profilkurse, die Schüler:innen selbst wählen können: Tanzkurse, Kreativkurse, Musikkurse, bei denen jedes Jahr Bands entstehen, verschiedene Sportarten, Spanisch, Robotik. Auch ein Filmkurs gehört zu den Angeboten. Hier können die Schüler:innen das Filmen, Schneiden und Vertonen lernen, alles im ausgezeichnet ausgestatteten Filmraum. „Wir haben einen Imagefilm, der aussieht, als hätte den eine Werbeagentur für uns gemacht. Aber der ist im Profilkurs entstanden“, sagt Roschke.

DKJS/ Marko Northe

Entspannen in der Lehrerlounge und im Schulclub

Auch die Lehrer:innen fühlen sich am HHG wohl: „Teamgeist und eine kollegiale Atmosphäre ist uns hier am HHG extrem wichtig“, sagt Roschke. „Die meisten duzen sich. Und am Beginn jedes Schuljahrs macht das Kollegium einen gemeinsamen Ausflug ans Meer zum Windsurfen. Inzwischen kommen nicht nur die Lehrkräfte, sondern auch ihre Partner und Familien mit und auch ehemalige Kolleg:innen.“ Das Lehrerzimmer ist in einen Arbeitsraum und in eine Lounge aufgeteilt. In der Lounge befinden sich gemütliche Sofagruppen und Sessel, Blumen stehen auf den Tischen. Wer eine Pause braucht, kann hier ausspannen oder mit Kolleg:innen einen Kaffee trinken.

Die Schüler:innen haben ebenfalls Rückzugsorte. Den Schulclub, einen ehemaligen Geräteschuppen, können sie klassenweise in Freistunden nutzen. Die klassenweise Nutzung, ursprünglich während der Pandemie eingeführt, hatte den positiven Effekt, dass sich nun auch jüngere Schüler:innen in den Schulclub trauen und der Zusammenhalt in den Klassen gestärkt wird. In dem kleinen Gebäude stehen ein Kicker und ein Billardtisch, es gibt eine Musikanlage und viele Sitzgelegenheiten. Die Aufsicht wird von Schüler:innen geführt, Lehrkräfte halten sich in der Regel nicht hier auf. Und im Ruheraum des Nebengebäudes können Schüler:innen Schach spielen oder ein Buch aus dem Bücherregal nehmen und lesen.

„Einfach machen!“

Während Roschke die Gäste durch das Gebäude führt, merkt man ihnen ihre Begeisterung für das HHG an – und auch den Willen, an ihren Schulen Veränderungen anzustoßen: „Ich bin ein bisschen neidisch“, sagt eine Lehrerin. Und ein Lehrer sagt: „Ich will das auch.“ Wie Roschke und ihr Kollegium den Wandel geschafft haben, ist die große Frage, die die Teilnehmer:innen der Informationsveranstaltung am Ende noch einmal stellen.

Roschkes Antwort ist simpel: „Einfach machen! Wenn wir damals erst einen großen Plan aufgestellt hätten, wären wir nie vorangekommen. Man muss sich immer fragen: Was brauchen wir jetzt kurzfristig, um die Situation schnell zu verbessern? Irgendwann ergeben dann viele kleine Maßnahmen das große Ganze.“

Aber auch am HHG gibt’s Luft nach oben. Derzeit wird der Schwerpunkt darauf gelegt, den Unterricht weiterzuentwickeln. Der Schule ist es wichtig, noch stärker fächerübergreifenden Unterricht zu entwickeln und in die Ganztagsstruktur zu implementieren.

Schulporträt veröffentlicht im Jahr 2022.

Die Hermann-Hesse-Schule ist ein gebundenes Ganztagsgymnasium in Berlin-Kreuzberg. Schwerpunkte sind die Veränderung des Lernens in Richtung Individualisierung und Selbstorganisation, gelebte Vielfalt und intensive Partizipation aller Beteiligten. Außerdem zeichnet sich das Hermann-Hesse-Gymnasium durch eine enge Kooperation von Schul- und Sozialpädagogik aus. Die Schule wurde ausgezeichnet mit dem Siegel Exzellente Digitale Schule.

Details zum Hermann-Hesse-Gymnasium

Schulform Gymnasium
offene / teilgebundene / gebundene Ganztagsschule gebundene Ganztagsschule
Schüler:innen ca. 520
Lehrkräfte 70
Schulsozialarbeiter:innen 4

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