Ein Versprechen der Ganztagsschule ist es, dass die Schüler:innen möglichst viele ihrer Übungsaufgaben in der Schule erledigen, dass also die Hausaufgaben zugunsten von Schulaufgaben abgeschafft werden können und genug Lern- und Übungsformate und -zeiten über den Tag verteilt angeboten werden.

Hausaufgaben vs. Schulaufgaben

Das Thema „Hausaufgaben“ beschäftigt immer noch täglich Millionen Schüler:innen, Eltern,  Lehrer:innen und pädagogische Fachkräfte. Dieser Film schärft das Bewusstsein dafür, welche Probleme mit Hausaufgaben verbunden sein können. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass in Ganztagsschulen aus Hausaufgaben nur Schulaufgaben werden, wenn eine Veränderung der Lernkultur stattfindet.

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Der Film kann als Auftakt für eine Auseinandersetzung mit diesem Thema an Ihrer Grundschule genutzt werden, um alle Beteiligten in einen fundierten Diskurs zu bringen.

Vor allem zwei Funktionen werden Schulaufgaben zugeschrieben:

  •  eine didaktische Funktion (im Sinne von Übungs- und Vertiefungsmöglichkeiten) und
  •  einen erzieherische Funktion (Entwicklung von Selbständigkeit und Selbstverantwortung bei der Bearbeitung von Aufgaben – im Sinne der Entwicklung von Lernstrategien und Arbeitstechniken)

Lernzeiten ist ein Oberbegriff für diverse Ansätze in der Praxis, Hausaufgaben durch andere Formate am Ort Ganztagsschule zu ersetzen (vgl. dazu auch Nordt 2020 und Schulz-Gade/Balke 2024, s. Literaturverzeichnis letzte Seite).

Die SAS wurden im Zuge der Schulstrukturreform an Berliner Integrierten Sekundarschulen (ISS) eingeführt und stehen den Schüler:innen als verpflichtendes Angebot im Umfang von 1-3,25 Stunden zur Verfügung. Es sind Zeiteinheiten, in denen Schüler:innen vormittags, mittags oder nachmittags an vorgegebenen oder selbst gewählten Aufgaben arbeiten, in der Regel betreut von Fachlehrer:innen. Der Umfang der Schülerarbeitsstunden ist abhängig von der Organisationsform des Ganztagsbetriebs. (vgl. Schulgesetz § 14 Ganztagsbetrieb und

Bildungselemente für individuelle Lernzeiten

Nahezu alle weiterführenden Ganztagsschulen etablieren Bildungselemente, in denen individuelles Lernen stattfinden kann. Denn ein Versprechen der Ganztagsschule ist es, dass die Schüler:innen möglichst viele ihrer Aufgaben in der Schule erledigen können und damit zusätzlichen Raum zur Kompetenzentwicklung erhalten. So können Hausaufgaben zugunsten von Schulaufgaben reduziert und bei Bedarf Unterstützung angeboten werden. In diesem kurzen Film zeigen vier Berliner Schulen wie es gelungen ist, eine erfolgversprechende und zufriedenstellende Aufgaben- und Übungspraxis im Tagesablauf zu verankern.

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Je nach Konzept, den Bedingungen vor Ort und den Bedarfen der einzelnen Schüler:innen gestalten Ganztagsschulen das unterschiedlich – hinsichtlich der Organisation (fachgebunden, klassengebunden, offen organisiert) und der Steuerung bzw. Betreuung (angeleitet durch Lehrkräfte, Erzieher:innen,  Sozialpädagog:innen, ältere Schüler: innen oder externe Kooperationspartner:innen oder selbstgesteuert durch die Schüler: innen selbst).

Formate des individuellen Lernens über den ganzen Tag

Wie kann die Umsetzung von Lernzeiten aussehen? Jede Schule findet dabei schulspezifische Antworten auf die Frage, wie das individuelle Lernen über den ganzen Tag unterstützt werden kann. Diese Antworten hängen mit den Bedingungen vor Ort und den Bedarfen der jeweiligen Schüler:innen zusammen.

Bei der Entwicklung dieser Antworten können verschiedene Fragen leitend sein:

• Sollen die Schüler:innen dabei durch pädagogisches Personal begleitet sein oder
eigenverantwortlich arbeiten? (im Schaubild x-Achse, s. S. 2)
• Soll das Setting eher für Einzelarbeit oder gemeinsame/kooperative Arbeit geeignet sein? (im
Schaubild y-Achse).
• Exklusivität oder Parallelität? Mit welchen Bildungselementen/Angeboten liegen die
Lernzeiten parallel oder sind sie verpflichtend/exklusiv?
• Intensität und Fachlichkeit der Begleitung oder Aufsicht: Wer leitet die Lernzeiten an oder ist
als Ansprechperson anwesend? Wieviel Hilfestellung ist möglich oder vorgesehen.
• Wie kann Lernerfolg sichtbar gemacht und selbstreguliertes Lernen unterstützt werden?
(Zum Beispiel: Vorbereitung im Vorfeld, Trainieren und Reflexion der Lernstrategien,
Aufgreifen im Unterricht)
• Welche Aufgaben sollen bearbeitet werden?
• Wie sind diese Aufgaben mit dem (Fach-)Unterricht verschränkt?

Um die eigene Schulpraxis zu reflektieren oder auch neue Formate für individuelles Lernen zu entwickeln, kann man sich am Schaubild orientieren. Die beiden ersten der oben genannten Fragen sind hierzu in einem Koordinatensystem zueinander ins Verhältnis gesetzt. Die verschiedenen Formate, die sich daraus ableiten lassen, konkretisieren wir mit Praxisbeispielen, die uns im Rahmen unserer Fachberatung und anderen Austauschformaten begegnet sind.

Lerncoaching mit Einzelnen

Das Lerncoaching mit einzelnen Schüler:innen ist eine intensive Form der Begleitung von Schüler:innen durch Erwachsene, in der Regel Lehrkräften und/oder Sozialpädagog:innen.

Fachgebundenes Format

Manche Schulen gestalten die Schülerarbeitsstunden als fachgebundene Formate. Häufig beziehen sich fachgebundene Übungsformate auf die Hauptfächer. Manche Schulen gehen den Weg über die Kooperation mit externen Kooperationspartner:innen, z.B. Nachhilfeinstituten, die mehrere Fächer abdecken. Andere Schulen bieten z.B. in den Randstunden oder im Mittagsband Förderangebote an, die in bestimmten Räumen von Fachlehrkräften oder älteren Schüler:innen1 betreut werden. Diese nehmen die Rolle eine:r Lernbegleiter:in ein, die Schüler:innen arbeiten selbstständig mit selbstmitgebrachtem oder vorhandenem Material an für sie wichtigen Inhalten/Aufgaben. Ob die Teilnahme von den Schüler: innen selbst entschieden wird oder aber Empfehlungen von den Klassenlehrer:innen in Absprache mit den Eltern ausgesprochen werden, wird unterschiedlich gehandhabt. Bekannt ist dieses Format auch als „TÜFF“ (Trainieren-Üben Fördern-Fordern) oder TÜV (trainieren, üben, verstehen).

Praxisbeispiel: TÜFF-Angebot (Trainieren-Üben-Fördern-Fordern) an der Heinz-Brandt-Schule

Die Schüler:innen üben mit Unterstützung eine:r Fachlehrer:in den Unterrichtsstoff. Je nach Jahrgang haben sie drei oder vier Stunden in der Woche rund um die Mittagszeit, in der sie z.B. Aufgaben für den Unterricht erledigen, für Klassenarbeiten lernen, sich auf Präsentationen vorbereiten oder nicht Verstandenes aufarbeiten. Zum Wochenbeginn wählen die Schüler:innen ihre TÜFF-Stunden nach Bedarf: Sie können zwischen Deutsch, Mathematik Englisch, sowie Natur und Spanisch wählen und dadurch bei Bedarf einen Fachbereich stärker bearbeiten. Gleichzeitig ist gewährleistet, dass die Gruppengröße 18 Schüler:innen nicht übersteigt und eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre bestehen bleibt.“

Modell-Stundenplan aus dem Schuljahr 2020/2021 der Heinz-Brandt-Schule

Lernstudio an der Käthe-Kollwitz-Gymnasium

Ein Schulaufgabenbetreuungs-Angebot, das an einem Tag der Woche für jeweils 165 Minuten in der Schulbibliothek stattfindet. Die Schüler:innen können hier Hausaufgaben erledigen oder die Zeit nutzen, um sich auf Tests, Klassenarbeiten oder Vorträge vorzubereiten. Individuelle Lern- und Erfolgsprozesse werden sichtbar gemacht. Die Teilnahme ist freiwillig; Schüler:innen können auch einfach unangemeldet vorbeikommen. Die Betreuer:innen sind ehemalige Schüler:innen oder Studierende, die durch einen professionellen Anbieter vergütet werden

Lernlift an der Käthe-Kollwitz-Gymnasium

Im Format „Lernlift“ findet in Kooperation mit einer Firma statt. Hier unterstützen Lehrkräfte Schüler:innen, die Schwierigkeiten in den Fächern Deutsch, Mathematik, Chemie, Französisch und Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache oder im Rahmen einer Lese-Rechtschreib-Schwäche haben. Ziel ist die besondere Förderung von Schüler:innen in den Kernfächern. Der Besuch des Lernlifts wird von Fachlehrer:innen festgelegt und erfolgt für ein individuell vereinbartes Intervall. Die Intervalle sind die Zeiträume zwischen den vier im Schuljahr festzulegenden Benotungen Die Teilnahme ist für ausgewählte Schüler:innen verpflichtend. In kleinen, max. zehnköpfigen Gruppen erhalten sie spezielle Übungsangebote für das jeweilige Unterrichtsfach.

Klassengebundenes Format

Manche Schulen organisieren die SAS oder sog. Lernzeiten als feste Zeitfenster in der Stundentafel einer Lerngruppe oder Klasse – zum Zweck des selbstorganisierten Lernens der Schüler:innen anhand von vorgegebenen, im Idealfall differenzierten Aufgaben (bspw. Wochenplan). Betreut werden diese Zeiten in der Regel von Klassenlehrer:innen und/oder Fachlehrer:innen.

PerLe an der Carl-von-Ossietzky-Schule (Achtung link funktioniert nicht mehr)

In der PerLe (persönlichen Lernzeit) können die Schüer:innen außerhalb der Unterrichtsstunden in einzelnen Fächern Zeiten des Lernens, Übens und Vertiefens wahrnehmen. Die Lernzeit wird in den Klassen von der Klassenlehrer:in oder Klassenerzieher:in betreut.

Zeitraster der PerLe

An dieser Schule gibt es ein Zeitraster, das Grundlage für einen rhythmisierten ganztägigen Schultag ist. Phasen des Lernens, Übens und Vertiefens wechseln sich mit Phasen des freien Spiels ab.

Kleingruppe (mit Coach oder Fachlehrkraft)

Vormals bekannt als klassischer Förderunterricht gibt es an manchen Schulen mehr und mehr Angebote, die sich an Kleingruppen richten. Das kann man fächerbezogen oder aber methodenorientiert realisieren und durch einen Coach oder eine Fachlehrkraft begleiten.

Lernorte für Einzel- und Gruppenarbeit

Lernzeiten als offenes Format finden häufig an besonderen Lernorten statt. Das können feste Räume wie Mediatheken, Bibliotheken, Computerraum, grünes Klassenzimmer oder aber auch flexible Räume wie in der Compartmentschule sein. Zu beachten ist, ob diese Settings für das Arbeiten in Gruppen geeignet sind – also Gespräche stattfinden dürfen – oder aber der Stillarbeit dienen. Diese Räume können für Schüler: innen selbstgesteuerte bzw. weitgehend unbeobachtete Räume sein oder aber von Erwachsenen betreute Räume. Oft lassen Schulen diese nicht durchgehend von Lehrkräften betreuen, sondern arbeiten hier mit Medienpädagog:innen zusammen.

Schulporträts

In diesen Porträts finden Sie wertvolle Beispiele wie die verschiedenen Formate von Lernzeiten umgesetzt werden. Am Hermann-Hesse-Gymnasium wird die Mediathek wie eine Bibliothek organisiert. Nicht wenige Schüler: innen kommen in den Pausen und der Selbstlernzeit dorthin, um zu lernen, teilweise sogar bis 17 Uhr. Im Schulporträt des Gottfried-Keller-Gymnasium wird das dortige Lerncoaching beschrieben und ein detaillierter Einblick in die Lernzeiten und Lernorte an der Schule vermittelt. An der Carl-von-Ossietzky-Schule gibt es ein Zeitraster, das Grundlage für eine rhythmisierten ganztägigen Schultag ist. Phasen des Lernens, Übens und Vertiefens wechseln sich dort mit Phasen des freien Spiels ab.

weiterführende Literatur & Links

Weiterführende Informationen zu Hausaufgaben, Schulaufgaben und Lernzeiten erhalten Sie in diesen Fachartikeln:

Nordt, Gabriele (2020): Hausaufgaben-Schulaufgaben-Lernzeiten. In: Bollweg, Petra; Buchna, Thomas; Coelen, Thomas; Otto, Hans-Uwe (Hrsg.): Handbuch Ganztagsbildung. Wiesbaden, Springer VS, S. 1045-1061.

Schulz-Gade, Gunild & Balke, Dörte (2024): Lernzeiten im Ganztag in Theorie und Praxis. Grundschule, Sekundarstufe I und II. Debus Pädagogik. Hierin besonders erwähnenswert der Artikel zu einer Berliner Sekundarschule – Miriam Pech & Stefan Grzesikowski: Freie Lernund Arbeitszeiten an der Heinz-Brandt-Schule Berlin (S. 88-100).

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