Der Stundenplan als Reißbrett
Als Schulleiterin zeigt Kazungu-Haß viel Pioniergeist. Ihre Grundschule wurde erst im Sommer 2023 eröffnet und befindet sich noch im Aufbau. Das bedeutet viel Arbeit, aber auch viele Möglichkeiten. Jedes Schuljahr kommt ein neuer Jahrgang hinzu. Es gibt inzwischen die 1. und die 2. Klassen, dazu die Willkommens- und die sonderpädagogischen Kleinklassen. Insgesamt werden schon jetzt 11 Klassen von 25 Lehrkräften unterrichtet. Genauso viele Erzieher:innen sind in der ergänzenden Förderung und Betreuung tätig.
Vor der Eröffnung der Schule hatten Kazungu-Haß und ein kleines Team nur ein Dreivierteljahr Zeit für die Planung. Dabei entstand die Idee des Kulturtags. „Grundlage der Planung war der Stundenplan. Der wird ja gerne unterschätzt“, sagt sie. Doch durch eine gute Strukturierung des Stundenplans entstehen viele Möglichkeiten, etwa Förderbänder oder eben ein Projekttag auf Grundlage der Stunden für die Fächer Kunst und Musik.
Zum Teil ist der Kulturtag auch aus einer Not heraus entstanden: Im Lehrplan sind an Berliner Grundschulen zwei Stunden Kunst und zwei Stunden Musikunterricht vorgesehen, doch es ist fast unmöglich, Fachlehrkräfte zu finden. „Wir haben deshalb die beiden Fächer im Stundenplan zu einem vierstündigen Lernbereich zusammengezogen. Nicht jeder muss mehr Kunst UND Musik unterrichten, sondern die Kolleg:innen können jetzt ihren Neigungen entsprechend ein Projekt leiten“, erklärt die Schulleiterin. Eine Erzieherin sei beispielsweise gelernte Theaterpädagogin, sie leite selbstverständlich ein Theaterprojekt. Andere Kolleg:innen spielen ein Instrument und musizieren mit den Kindern. Die Ideen kommen vor allem aus dem Kollegium, berichtet Kazungu-Haß: „Der Rahmenlehrplan liefert die Grundlagen. Dann überlegt jeder, was er zu einem Thema leisten könnte. Die Kolleg:innen entwickeln da teilweise einen großen Ehrgeiz und wir sind immer offen für Neues.“
Weil in der neu gegründeten Schule und besonders beim Kulturtag vieles keine Routine ist, sondern noch ausgehandelt werden muss, komme es unter den Kolleg:innen immer wieder auch zu Diskussionen. Wie sinnvoll sind beispielsweise besondere Projekte wie das Spielen auf Rhythmusinstrumenten? „Das ist für die Kinder eine tolle Erfahrung, doch es können nur vergleichsweise wenige daran teilnehmen. Eine berechtigte Frage also“, meint Kazungu-Haß. Sie hält diese Diskussionen für sehr hilfreich, weil so einerseits das Team weiter zusammenwachse und andererseits der Kulturtag weiterentwickelt werde.