Zeitstrukturen und Rhythmisierung

Ganztagsschulen sind Lern- und Lebensorte für Kinder und Jugendliche, denn hier verbringen sie einen großen Teil ihrer Lebenszeit. Die Zeitplanung des Schulalltags sollte deshalb auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sein.

In diesem Themenmodul wird die Struktur einer offenen und gebundenen Ganztagsschule mit ihren verschiedenen Schüler:innengruppen erläutert. Es enthält eine Übersicht der verschiedenen Bildungselemente und Schulprofile sowie einen Text mit grundlegenden Aspekten der Zeitgestaltung.

Kind dreht an Zeiger einer Papieruhr, Uhr-Icon für Themenmodul Zeit und Rhythmisierung
Was ist ein Mittagsband?

Wie plant man den Rhythmus einer Ganztagsschule?

Bei der Planung einer gute Rhythmisierung und sinnvollen Zeitstruktur können Sie von diesen Fragen ausgehen:

  • Welche Bedarfe haben die Schüler:innen in unserem Sozialraum?

  • Welche Schwerpunkte und welches Ganztagsschulprofil ergeben sich daraus?

  • Wofür wird Zeit benötigt?

  • Wie können die Zeiten für verschiedene formale, non-formale und informelle Lernformen und Bildungselemente über den ganzen Tag in einem pädagogisch sinnvollen Wechsel organisiert werden?

Gut zu wissen:

Organisationsformen des Ganztags

Die Stundenplanung orientiert sich an der gewählten Organisationsform: offen, teilgebunden oder gebunden. Im gebundenen Ganztag besteht Anwesenheitspflicht an vier Tagen von 8 bis 16 Uhr – das eröffnet maximale Freiheit für eine flexible Rhythmisierung und die Integration aller Bildungselemente. Im offenen oder teilgebundenen Ganztag sind die Gestaltungsmöglichkeiten begrenzter, da unterschiedliche Schüler:innengruppen berücksichtigt werden müssen. Dennoch ist eine gute Rhythmisierung auch hier möglich, insbesondere bei hoher Teilnahme an ergänzender Förderung und Betreuung.

Bildungselemente über den ganzen Tag

Bei der Zeitplanung einer Ganztagsschule steht im Mittelpunkt immer die Frage: Was brauchen die Schüler:inen bzw. Kinder und Jugendlichen? Die einzelnen Bildungselemente können je nach Schulprofil und den Bedarfen der Schüler:innen unterschiedlich organisiert oder inhaltlich aufgestellt sein.

Grundlegende Aspekte der Zeitgestaltung im Ganztag

Drei Prinzipien prägen die Gestaltung des Ganztags: eine ausgewogene Rhythmisierung von Lern- und Entspannungsphasen, ein flexibler zeitlicher Takt mit Modellen jenseits des 45-Minuten-Rasters und Kooperationszeiten für das multiprofessionelle Kollegium. Diese Elemente schaffen die Basis für einen strukturierten und lebendigen Ganztag. Weitere Materialien und Praxisbeispiele finden Sie in den vertiefenden Modulen.

Qualitätsstandards für die inklusive Berliner Ganztagsschule

Im Kernbereich Zeit der Qualitätsstandards für die inklusive Berliner Ganztagsschule werden Anforderungen an die zeitliche Organisation und eine kind- und jugendgerechte Rhythmisierung von Tag, Woche und Schuljahr beschrieben.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Bestandsaufnahme und Prozessplanung anhand von Entwicklungsskalen

Die Qualitätsstandards sind auf die Reflexion des Ist-Stands ausgerichtet und können die Identifikation von Entwicklungsbedarfen und -zielen unterstützen. Für die interne Entwicklungsarbeit bzgl. der fünf Kernbereiche (Kooperation, Bildungselemente, Zeit, Raum und Verpflegung) wurden konkrete Indikatoren, also Hinweisgeber zur Umsetzung der Qualitätsmerkmale, entwickelt. Sie stehen in Form von Entwicklungsskalen zur Verfügung, die zum einen die Bestandsaufnahme strukturieren. Zum anderen bieten sie Anregungen für die schrittweise Planung von kurz-, mittel- und langfristigen Entwicklungsprozessen und die Möglichkeit, den Prozessfortschritt abzubilden. Jede Schule kann also mithilfe der einzelnen Skalen Entwicklungsbedarfe identifizieren und nächste Entwicklungsschritte planen.

Bedarfsorientierte Qualitätsentwicklung

Die Qualität einer Ganztagsschule zeigt sich daran, inwiefern es gelingt, Lernen über den ganzen Tag zu ermöglichen und dabei die Bedarfe und Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen ins Zentrum zu stellen. Die regelmäßige mündliche oder schriftliche Ermittlung dieser Bedarfe bezieht sowohl die schulpädagogische als auch die sozialpädagogische Perspektive und die Vorstellungen der Kinder und Jugendlichen selbst mit ein. Dabei können unterschiedliche Formen der Bedarfsanalyse bspw. hinsichtlich der Zeitgestaltung bzw. Rhythmisierung des Schultages, der -woche oder des -jahres zur Anwendung kommen, die insbesondere Fragen nach der Akzeptanz, der Bedürfnisse, Interessen und Gestaltungsideen seitens der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen.

Takt als Planungsraster

Bei der Gestaltung der bedarfsgerechten äußeren, inneren und individuellen Rhythmisierung ist es wichtig, die unterschiedlichen Bildungselemente mit ihren an- und entspannenden Aspekten in einen angenehmen Wechsel zu bringen. Hierbei dient der Takt als Planungsraster: Ursprünglich gab es nur das 45 Min. Modell. Danach bemisst sich auch immer noch das Stundendeputat der Lehrkräfte. Bei davon abweichenden Modellen wird das Stundendeputat für jede Lehrkraft minutengenau neu berechnet. Es gibt unterschiedliche zeitliche Rahmungen, z.B. ein 30 – 40 – 45 – 60 – 80 – 90 Min. Modell. Beispielsweise bietet das 40 Minuten Modell die Möglichkeit, 5 Minuten pro Stunde von den üblichen 45 Min. „einzusparen“, um sie dann z.B. im Morgenband oder bei der Schul-/ Hausaufgabenbetreuung durch Fachlehrkräfte einzusetzen. Dieses Modell muss bei der Schulaufsicht genehmigt werden. Dafür ist erforderlich, dass nachgewiesen wird, wie diese „eingesparten“ Unterrichtsminuten an die Schüler:innen in dem jeweiligen Fach zurückgegeben werden. Schulen, die mit 90-minütige Einheiten arbeiten, können im Gegensatz zum 45-Minuten-Takt individualisierte Lehr- und Lernformen einplanen. Zugleich kann der 90-minütig getaktete Stundenplan sowohl Unterricht als auch Ganztagsangebote am Vor- und am Nachmittag enthalten.

Hier finden Sie von uns aufbereitete Zeitpläne von offenen, teilgebundenen und gebundenen Grundschulen und weiterführenden Schulen.

Zeitpläne von Grundschulen

Zeitpläne von weiterführenden Schulen

Kooperationszeiten im multiprofessionellen Team

Als ein neuer Aspekt kommen die Kooperationszeiten auf der Ebene des multiprofessionellen Kollegiums hinzu.

Die Ganztagsschule eröffnet neue Möglichkeiten für Zusammenarbeit. Im Rahmen der Schulautonomie entscheidet jede Schule selbst, wie viele feste Kooperationsstunden im Stundenplan verankert werden. Grundlage ist das pädagogische Konzept und das gewählte Arbeitszeitmodell. Für Lehrkräfte bedeutet dies oft ein Umdenken gegenüber der Halbtagsschule: Neben dem Unterricht stehen zusätzliche Zeitfenster für Teamarbeit, Konferenzen, Elterngespräche und gemeinsame Planung zur Verfügung.

Ein Beispiel aus Berlin zeigt, dass die Integration von Teamzeiten in den Stundenplan Vorteile bietet: mehr Raum für Absprachen, Nutzung von Freistunden für Unterrichtsvorbereitung, Verlagerung der Arbeit in die Schule statt ins Zuhause und die Möglichkeit, Schüler:innen auch außerhalb des Unterrichts zu erleben und ganzheitlich zu fördern.

Schulporträts

Rhythmisierung und Verzahnung ernst nehmen: Wie das mit Modulen gelingt und zwar am Vormittag, lesen Sie im Portrait der Georg-Weerth-Schule. Wie Mittagspause und Mittagsessen den Schultag entspannen und allen Beteiligten nutzen, zeigen diese Schulen im Portrait:

Ihr Feedback ist uns wichtig!
Vielen Dank, dass Sie sich zwei Minuten Zeit nehmen, um uns zu helfen, diesen Bereich stetig zu verbessern.

Mehr zu diesem Thema

Zur Übersicht